Lost Places & Unlost Places  Baltikum, Estland

Estland I - L

Jendel - Jäneda, Janeda (Estland)

Es gibt Aufzeichnungen zum Gutshof Jendel in der Nähe von Aegviidu (Charlottenhof) die bis 1510 zurückreichen. Das Gut wechselte häufig den Besitzer. Unter ihnen befinden sich namhafte Familie wie z.B. von Taube, von Fersen, von Löwenstein, von Rehbinder. Seit 1833 verblieb das Gut bis zu Enteignung im Besitz der Familie Benckendorff. Der letzte männliche Besitzer, Alexander, kam auf mysteriöse Weise 1907 in der Umgebung ums Leben. Seine Frau, Maria Sakrewskaja-Benckendorff führte das Gut weiter. Sie war u.a. mit den Schriftstellern Maxim Gorki und Herbert Wells befreundet. Im 18. Jh. entstand ein Holzherrenhaus, dass jedoch 1902 abbrannte. Um 1913 wurde das neue Herrenhaus aus rotem Backstein mit neogotischen Elementen durch Johann von Benckendorff unter erbaut. Nach der Bodenreform diente das Herrenhaus als Landwirtschaftsschule. Heute ist hier ein Schulungszentrum untergebracht.

 

Kappel - Kabala, Estland

Das ehemalige Gut Kappel liegt ca. 10 km südwestlich von Rapla (dt.: Rappel) und ca. 5 km westlich von Raikküla (dt.: Rayküll) im heutigen Ort Tamme, der 1920 auf dem Gelände des Gutes gegründet wurde. Erste Erwähnung findet das Gut um 1469. 1560 wurde der Hof von russischen Soldaten niedergebrannt. Im 16. Und 17. Jh. war der Besitz in den Händen der Familie Krusenstern. Später gehörte das Anwesen den Vietinghoffs. Der letzte Besitzer vor der Bodenreform 1919 war Otto von Lilienfeld. Heute befinden sich die Gemeindeverwaltung und die Bibliothek von Raikküla (dt.: Rayküll) in dem Gebäude. Das noch heute erhaltene Gutshaus ist ein kompakter, eingeschossiger Steinbau mit hohem Dach. Vermutlich stammt er aus dem Ende des 18. Jh. und repräsentiert noch den schlichten Baustil der baltischen Herrenhäuser vor dem Beginn der Erbauung der prachtvollen Schlösser. Die Keller und Fundamente können auf einen noch älteren Bau zurückgehen. Um 1860 wurde das Haus wohl modernisiert. Charakteristisch für das schlichte Haus sind die Fenster mit Rundbögen. Neben dem Haupthaus sind auch noch Wirtschaftsgebäude erhalten.

 

Katharinental, CatharinenThal, Reval - Kadriorg, Tallinn, Estland

Nach der Übernahme der baltischen Provinzen Estland und Livland im Jahre 1710 durch Russland ließ Zar Peter I.  bei Reval ein großzügiges Barockschloss mit weiter Parkanlage für seine Gemahlin Katharina bauen. Die Gestaltung erfolgte von 1718 bis 1723 nach den Plänen des italienischen Architekten Nicola Michetti. 1820 bis 1830 erfolgten größere Umarbeiten am Palast. In dem Schloss residierten u.a. die russischen Gouverneure von Estland und nach Estlands Unabhängigkeitserklärung der Präsident des Landes. Zur Sowjetzeit wurde hier das staatliche Kunstmuseum der Sowjetrepublik Estlands eingerichtet. Das Gebäude selbst verfiel jedoch zusehends, so dass es bei der Unabhängigkeitserklärung 1991 fast nur noch eine Ruine war. Mit Unterstützung des schwedischen Staates konnte die Anlage restauriert und im Jahr 2000 erneut eröffnet werden. Bis heute wird das Schloss als Kunstmuseum genutzt.

 

Kattentack - Aaspere, estland

Um 1250 war das Gut im Besitz eines Lydbrecht und danach der Familie eines Bartholomäus Hastfer. 1498 wird Hans Hastfer als Besitzer genannt, der dem Gut seinen estnischen Namen gab. In dieser Familie blieb es bis 1720. Große Namen folgten als Besitzer, so z.B. von der Pahlen (1720 bis 1760) und von Stackelberg (1760 bis 1780). Ab 1796 bis zum Ende waren die Barone von Dellingshausen die Eigentümer. Der letzte Besitzer war Freiherr Eduard von dellingshausen (die Jahresangaben schwanken von Quelle zu Quelle). Ab 1921 wurde das Schloss als Kinderheim genutzt. 1966 beschädigte ein Brand das Gebäude sehr. 1974 wurde ein modernes, wenig passendes Schulgebäude dem Schloss hinzugefügt. Zuletzt stand das Gebäude weitestgehend leer, wurde aber jüngst von privater Hand gekauft. Das schlossartige Herrenhaus entstand in seinen ältesten Teilen bereits Ende des 18. Jh. in barocker Form. Aber erst um 1800 erhielt es seine heutige klassizistische Form durch Freiherr Friedrich von Dellingshausen. So wurde u.a. das Gebäude stark nach links und rechts erweitert. Für das Schloss ist der gewaltige Sechssäulenportikus und die breite Attika darüber, die auf den Seitenrisaliten wieder aufgegriffen wird und das schlichte Dach versteckt, charakteristisch. Zu dem Schloss gehörte ein weitläufiger Park mit Brücken und einem kleinen Tempel.

 

Kechtel - Kehtna, Estland

Das Gut ehemalige Gut Kechtel (estn.: Kehtna) liegt ca. 10 km südlich von Rapla (dt.: Rappel) und wird bereits um 1470 erwähnt. Zu dieser Zeit war es im Besitz der Familie von Arndt Vietinghoff. Ab 1824 war der Besitz in den Händen der Familie von Benckendorff und von 1871 bis 1919 in der Familie von Lilienfeld. Der letzte Besitzer war Helmuth Otto von Lilienfeldt. Ab 1920 war Kechtel ein staatliches Gut. In den Wirren von 1905 brannte das Haus ab, wurde aber wiederaufgebaut. Nach der Enteignung diente das Herrenhaus als Hauswirtschaftsschule und später als Sitz einer Landwirtschaftsschule. Heute ist das Anwesen in Privathand und wird von den neuen Besitzern als Wohnsitz aber auch als Veranstaltungsort genutzt. Das Herrenhaus wurde zwischen 1784 bis 1790 (andere Quellen 1790 bis 1795) durch den Baumeister Johann David Hein errichtet. Bei dem Wiederaufbau nach dem Brand 1905 wurde der alte Baustil beibehalten, jedoch das Dach sanft in ein Mansarddach mit fenstern umgewandelt.

 

Kirna - Kerna, Kernu, Estland

 Kernu (dt.: Kirna) liegt an der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Pärnu (dt.: Pernau) etwa 40km südwestlich von Tallinn. Das Gut gehörte 1250 einem Paeter Tolk. 1602 wurde das Gut Kohhat (estn. Kohatu) dem Obrist-Quartiermeister Johann Neukirch verliehen. Nach dessen Tod wurde Kirna in Folge von Erbschaft abgeteilt. Es gelangte dann in den Besitz von Diedrich Hasenkrug, geadelt Hirschberg. Später ging das Gut an die Familie Ungern-Sternberg und verblieb von 1780-1860 in dieser Familie. 1863 ging der Besitz durch Verkauf an die Familie von Rosenthal, 1880 an die von Kotzebue und 1911 bis 1920 an den Oberförster Edgar Schmidt. Zuletzt befand sich das Gut im Besitz von Baron Nikolai Wrangel. Nach der Enteignung diente das Herrenhaus als Behindertenheim. Bis 2013 befand sich eine Pflegeeinrichtung in dem Gebäude. Nach Internetangaben wird das Gebäude zu einem Geschäfts- und Tagungszentrum umgebaut. Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jh. und wurde um 1810 durch die Familie von Tiesenhausen im hochklassizistischen Stil umgestaltet.  Als Architekt wird Ludwig Engel vermutet. Es verfügt über eine glatte Fassade mit gewaltigem Portikus, die im Widerspruch zu der durch drei Risaliten geteilten Struktur steht. Pirang schreibt der Form einen ausgesprochenen russischen Zug zu, der „frostig“ wirkt. Auch der Halbrunde Viersäulenvorbau auf der Parkseite ist nicht stimmig.

 

Kolk - Kolga, Estland

Das Gut liegt ca. 40km östlich von Tallin (dt.: Reval) nahe der Straße nach Narva (dt.: Narwa). Das Herrenhaus wurde um 1765 auf der Basis eines älteren Hauses aus den 1640er Jahren von Graf Karl Magnus von Stenbock erbaut und repräsentiert den dreigliedrigen baltischen Baustil, wobei die Seitenflügel und der mächtige Säulenportikus erst um 1820 hinzugefügt wurden. Das Gut ist eines der ältesten in Estland und wurde bereits im 13. Jh. von Kloster Roma auf Gotland angelegt. Es gehörte später durch Tausch dem Herzog Kanut, ein Sohn des Königs Waldemar. 1528 wurde das Gut durch Friedrich I. an den Hofdiener Hans Natzmer vergeben. Später übernahm der Revaler Gottschalk Remelingrode den Besitz, der ihn nicht halten konnte und 1551 an die schwedische Krone zurückgab. Diese gab das Anwesen an Christoph von Münchausen. Später ging es Feldmarschall Pontus De la Gardie. Durch Heirat gelangte der Besitz schließlich in die Familie des Grafen Gustav Otto Stenbock. Hier verblieb der Besitz bis zu Enteignung. Der letzte Besitzer war Graf Gerhard Stenbock. Im II. Weltkrieg diente das Herrenhaus der Wehrmacht vermutlich als Lazarett. Das Herrenhaus wurde 1992 von der Stenbockschen Familienstiftung saniert.

 

Kollo - Kolu, Estland

Das ehemalige Gut Kollo (estn.: Kolu) liegt ca. 10 km südöstlich von Käru (dt.: Kerro) und ca. 10 km westlich von Türi (dt.: Turgel). Das Gut wird um 1639 erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit gehörte es Peter Grote und verblieb in der Familie von Grote bis 1874. Danach ging das Anwesen in den Besitz von Eduard Middenhof über. Anfang des 20. Jh. war Baroness Elisabeth Schilling die Besitzerin. Nach der Bodenreform wurde das Herrenhaus als Schule genutzt. Seit 1996 ist das Anwesen in Privatbesitz. Das Herrenhaus aus roten Klinkersteinen wurde um 1890 im eklektizistischen Stil nach Plänen des Architekten Erwin Bernhard erbaut. Es brannte 1905 ab, wurde aber fast originalgetreu wiederaufgebaut und der Turm hinzugefügt. Zu dem Herrenhaus gehört ein weitläufiger Park. Von den einst zahlreichen Nebengebäuden haben nur wenige die Zeiten überdauert.

 

Kotzum - Kodasoo, Estland

Das ehemalige Gut Kotzum (estn.: Kodasoo) liegt an der Straße Tallinn (dt.: Reval) – Rakvere (dt.: Wesenberg) – Narva (dt.: Narwa) ca. 20 km östlich von Tallinn. Es wurde 1447 durch Hermann von Zoege gegründet. Es war bis 1694 im Besitz der Familie von Zoege. Es folgten einige Besitzerwechsel (Rehbinder, Rosenbach, von Lilienfeld, von Tiesenhausen). Durch Kauf ging das Anwesen 1769 an Fabian Ernst Stael von Holstein. Das Gutshaus entstand um 1770 im späten Barockstil. 1857 wurde der Besitz an den Grafen Rehbinder veräußert. In dessen Familie verblieb das Gut bis zur Enteignung 1919. Bereits 1920 wurde in dem Gutshaus eine Schule eingerichtet. Diese wurde 1975 aufgelöst. Seit dieser Zeit steht das Gutshaus weitestgehend leer. Heute befindet sich das Anwesen im Privatbesitz. Erste Anzeichen einer Sanierung sind erkennbar.

 

Kuckers - Kukruse, Estland

Das ehemalige Gut Kuckers (estn.: Kukruse) liegt direkt an der Fernverkehrsstraße von Tallinn nach Narwa auf deren nördlichen Seite unweit von Johvi (dt.: Jewe). Das Anwesen wird 1410 erstmals erwähnt. Seit dem 18. Jh. war es im Besitz der Familie von Toll. Letzter Besitzer war Baron Hermann Robert von Toll. Ein berühmtes Mitglied der Familie und Eigentümer des Gutes Kuckers war Eduard von Toll (1858 – 1902). Eduard war ein Polarforscher, der auf der Suche nach dem legendären Sannikowland in der Arktis verschollen ist. Nach von Toll wurden u.a. eine Bucht der Taimyr-Halbinsel, ein Berg auf Nowaja Semlja und ein Plateau auf der Ketlny-Insel benannt. Ein weiteres berühmtes Mitglied war der Historiker Robert von Toll (1802 – 1876), der eines der größten Sammlungen an Dokumenten zur baltischen Geschichte zusammentrug. Heute sind in dem restaurierten Herrenhaus ein Hotel, Restaurant und eine Ausstellung über den Polarforscher Eduard von Toll untergebracht. Das Herrenhaus wurde um 1760 zunächst einstöckig im barocken Stil erbaut und in mehreren Schritten erweitert. Das heutige klassizistische Aussehen erhielt es in der zweiten Hälfte des 19. Jh. In den 1980er Jahren wurden bei dem Herrenhaus ein geheimnisvoller langer Tunnel aus Stein entdeckt. Da Teile des Tunnels eingestürzt sind, ist bis heute unklar, wohin dieser Tunnel führt.

 

Kullina - Kulina, Estland

Das kleine, farbenfrohe Gutshaus Kulina (dt.: Kullina) liegt ca. 15 km südöstlich von Rakvere (dt.: Wesenberg). Das Gut Kullina wird erstmals um 1546 erwähnt. Von 1857 bis 1868 gehörte das Gut John Henry de La Trobe. Das noch heute erhaltene Gutshaus aus Holz im eklektizistischen Stil wurde vermutlich um 1900 erbaut. Der letzte Besitzer vor der Landreform war Arthur Andreas von Kirschten. Von 1926 bis 1999 war in dem Gebäude die Schule von Kulina untergebracht. Das sehr schön sanierte Holzgebäude dient heute als Wohnhaus.

 

Kunda - Kunda, Estland

Das ehemalige Gut Kunda liegt nördlich von Rakvere (dt.: Wesenberg) direkt an der Nordküste Estlands. Es wird um 1443 erstmals erwähnt und war von 1494 bis 1581 im Besitz der Familie von Tödwen. Auf dem Gelände gab es zunächst eine befestigte Anlage, die im Livländischen Krieg zerstört wurde. Um 1618 wurde das Gut durch den Besitzer Johann Müller, einem Kaufmann aus Reval (estn.: Tallinn), wiederaufgebaut. Das Gut verblieb in der Familie Müller bis in die Mitte des 18. Jh. Es folgten bis 1814 die Familie Schwenghelm und danach von 1816 bis 1851 Johann Valentin Schnackenberg (ein Kaufmann aus St. Petersburg). Von 1851 (andere Quellen: 1840) bis zur Reform 1919 war die Unternehmerfamilie von Baron Girard de Soucanton aus Reval (estn.: Tallinn) Besitzer des Gutes. Nach der Reform war in dem Gutshaus von 1925 bis 1940 eine Schule eingerichtet. Das Gutshaus mit seinem Balkonportikus wurde im Spätbarockstil Ende des 18. Jh. erbaut. Im August 1941 wurde das Herrenhaus zerstört. Bis heute ist eine traurige Ruine des Herrenhauses erhalten.

 

Laitz - Laitse, Estland

Das ehemalige Gut liegt an der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Haapsalu (dt.: Hapsal). Das Gut wurde um 1637 mit der Abspaltung vom Ordensgut Ruila (dt.: Ruil) gegründet und gehörte Johann Ulrich. Lange Zeit verblieb es in der Familie Ulrich bis es 1814 an die Familie Mohrenschildt ging. Diese Familie behielt es bis 1860. Von 1883 bis 1909 war es im Besitz von Woldemar von Uexküll und danach von Ulrich von Bremen. Zwischen den Weltkriegen war in dem Schloss ein Jugendheim untergebracht. Zu Sowjetzeiten war in den Räumen des Schlosses eine Radiostation untergebracht. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz und beherbergt ein Hotel und ein Restaurant. Das prachtvolle Herrenhaus wurde im neogotischen Stil 1890 bis 1892 von Woldemar von Uexküll erbaut. Das romantische Anwesen gilt als eines der schönsten Beispiele der Neo-Gotik im Baltikum.

 

Laupa - Laupa, Estland

Das südwestlich von Türi (dt.: Turgel) gelegene Gut Laupa wurde Anfang des 17. Jh. gegründet. Es gehörte lange Zeit von 1630 bis 1849 der Familie von Fersen und ging danach in den Besitz der Familie von Taube über. Der letzte Besitzer vor der Landreform war Baron Otto von Taube. Das neobarocke Schloss wurde unter Otto von Taube durch den deutschbaltischen Architekten Jacques Rosenbaum entworfen und zwischen 1911 und 1913 erbaut. Zuvor brannte am 19. Dezember 1905 durch Aufständige ein Herrenhaus aus Holz aus dem Jahren 1856 ab. Nach der Enteignung wurde das Schloss 1922 zu einer Schule umfunktioniert und ist es bis heute geblieben. Die Familie von Taube musste in andere Gebäude umziehen, blieb aber noch bis 1939 in Estland bevor sie nach Deutschland auswanderten. Der imposante Schlossbau mit seinem Walmdach wird von Pirang als gut proportioniert gelobt, allerdings wird der Barockgiebel über dem Mittelteil als zu wuchtig kritisiert. Trotz des architektonischen Rückblicks im Baustil handelte es sich um eine moderne Schlossanlage in jener Zeit. So verfügte das Haus über eine moderne Zentralheizung und einen Lastenaufzug. Laupa war eines der ersten Schulgebäude in ehemaligen Herrenhäusern, dass nach der neuen Unabhängigkeit saniert wurde.

 

Leetz - Leetse, estland

Das ehemalige, nur wenige Kilometer von Paldiski (Baltisch-Port) entfernte Gut auf der Halbinsel Pakri an der Ostseeküste gehörte um 1677 der Familie von Otto von Scheiding und in den 1860er Jahren der Familie von Ramm. Zu dieser Zeit wurde auch das historistische Gutshaus im eklektizistischen Stil erbaut. Das Gut war später bis 1913 der Sommersitz der Familie Ungern-Sternberg. Zu Sowjetzeiten war die Insel Sperrgebiet und auf dem Gelände des Gutes eine Raketenabwehreinheit der Roten Armee stationiert. Das Gutshaus existierte noch in einem verwahrlosten Zustand. Durch einen Brand 1993 wurde das Haus komplett zerstört. Nach Internetangaben existiert noch das Verwalterhaus. Heute gehört das Anwesen der Familie des ehemaligen deutschen Botschafter Christian von Wistinghausen. Eine Linie der Familie von Wistinghausen entstammte dem Gut Leetz.

 

Linnamäggi - Linnamäe, Estland

Etwa 20km westlich von Vöru (dt.: Werro) befindet sich direkt an der Straße 69 ein kleiner Gutspark mit einem kleinen, sehr gut sanierten, asymmetrisches Herrenhaus. Bei genauerem Betrachten ist zu erkennen, dass es sich nur um einen Flügel (der linke) eines ehemaligen Herrenhauses handelt. Es handelte sich um ein Haus im eklektizistischen Stil, dass um 1840-1847 errichtet wurde. Elemente des Tudorstils sind ebenfalls zu erkennen. Das Gebäude hatte einen einstöckigen zentralen Bau, der durch einen Tudor-Turm ergänzt wurde. Unter dem Dach ist noch das Wappen der Maydells zu erkennen. Das Gut selbst wurde um 1748 vom Gut Ülzen (estn.: Vaabina) abgeteilt. Linnamäggi bedeutet „Schlossberg“, daraus geht hervor, dass das Schloss Ülzen sich wohl auf diesem Grund befunden haben muss. Das Gut kam um 1835 in die Hände der Familie des Rittmeister Baron Julius Maydell. In dieser Familie blieb das Gut bis zum Schluss. Der letzte Besitzer vor der Bodenreform war Eduard Maydell. Heute gehört das Anwesen einem freundlichen Privatmann, der bei interessierter Nachfrage gern einen kleinen Rundgang durch das Haus gestattet. Im Park befindet sich noch ein Grab der Familie Maydell.

 

Lodensee - Klooga, Estland

Die im dichten, verwilderten Buschwerk in unmittelbarer Nachbarschaft eines ehemaligen Militärflugfeldes gelegene Herrenhausruine ist eine typische Vertreterin der Kategorie „Lost Places“. Fernab von touristischen Zentren an der Nordküste Estlands unweit von Keila (dt.: Kegel) dämmert sie im Dornröschenschlaf vor sich hin und verfällt nach gescheiterten Restaurierungsversuchen weiter. 1505 gehörte das Gut Lodensee Ewert von Langen. Ab 1665 war es im Besitz der Familie von Hans Heinrich von Klugen – daher der Name Klooga. Später war es in den Händen von Axel von Krusenstern. Seit 1939 bis zur zweiten estnischen Unabhängigkeit in den 1990er Jahren war das Gut Teil einer sowjetischen Militärbasis. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen brannte das Herrenhaus durch Vandalismus ab. 1997 wurde das Anwesen durch einen Geschäftsmann erworben. Nach dessen Bankrott steht das Anwesen wieder zum Verkauf und verfällt weiter. Das ursprünglich barocke Herrenhaus wurde Anfang des 18. Jh. im selben Stil wie das Schloss Palmse (dt.: Palms) erbaut.