Lost Places & Unlost Places Baltikum

Kurland, Lettland E - K

Edwahlen - Edole,  Kurland, LettLAND

Schon vor der Eroberung durch Deutschen Orden existierte die Ansiedlung nordwestlich von Goldingen (lett.: Kuldiga). 1264 - 1276 wurde die Burg in Form eines geschlossenen Vierecks durch den Deutschen Orden erbaut. Bereits 1562 erfolgte die Übernahme durch die Familie von Ulrich von Behr. Im 17. Jh. verfiel die Festungsanlage und wurde zu einem Schloss für die Familie von Behr umgestaltet und später durch Herman-Friedrich II. von Behr stark erweitert. 1835 – 1841 erfolgte ein weiterer Umbau durch Adolph Werner von Behr, der übrigens in Göttingen studierte, im neogotischen Stil. 1905 während Revolution wurde das Anwesen durch Brand und Plünderung verwüstet, jedoch bis ca. 1911 neu aufgebaut. Besitz verblieb bis zur Enteignung 1920 in der Familie unter Alexander von Behr. Danach wurde das Schloss kaum genutzt. Erst nach dem II. Weltkrieg wurde es ein Invalidenheim. Danach folgten verschiedene Nutzungen im staatlichen Besitz. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen um diese Gemäuer. So soll hier eine in ein grünes Jagdkostüm gekleidete Frau, die „grüne Frau“, vielen erschienen sein. Auch geisterhafte Kostümbälle in dem zeitweise leerstehenden Schloss sollen hier Anfang des 20. Jh. gesehen worden sein. Das Rote Zimmer soll seinem Namen ebenfalls einem mystischen Ereignis zu verdanken haben. So soll hier jemand ermordet worden sein und um das Blut zu überdecken, wurde das Zimmer rot gestrichen. Der Blutfleck soll jedoch hartnäckig immer wieder zutage treten. Heute befindet es sich wieder in Privatbesitz und wurde mit viel Aufwand restauriert. Die Hälfte ist für Besucher zugänglich, darunter der Aussichtsturm und viele Kellergewölbe. Die einst prächtige Inneneinrichtung ist verlorengegangen. Der neue Besitzer versucht durch Ausstattung mit historischen oder nachempfundenen Gemälden, Möbeln, Öfen und Sammlungen aller Art das Flair vergangener Tage wiederherzustellen. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2010 besuchte ein Mitglied der Familie von Behr (Ulrich von Behr, 1923-2011) noch das Anwesen.

 

Elley, Ellei - ElEja, Kurland, Lettland

Das ehemalige Rittergut Elley am gleichnamigen Flüsschen liegt ca. 20 km südlich von Jelgava (dt.: Mitau) unweit der Grenze zu Litauen. Es entstand im 16. Jh. durch Georg Tiesenhausen. Es verblieb in der Familie Tiesenhausen bis 1716. Danach ging es durch Verkauf an die Familie von Werner von Behr (1675-1748) und dessen Sohn Ulrich. 1753 verkaufte sein Sohn Johann Ulrich das Gut an Johann Friedrich von Medem. Letzter Herr auf Elley war bis 1920 Graf Paul von Medem. Das Schloss mit seinem charakteristischen, zweigeschossigen halbrunden Saal mit Kuppel und dem gewaltigen Portikus, die sich von der Fassade majestätisch abhoben, wird durch Pirang als eine „Höchstleistung klassizistischer Baukunst auf baltischem Boden“ bezeichnet. Der Bauherr war Jeannot Graf Medem ließ die Entwürfe durch den Petersburger Architekten Quarengi anfertigen und durch Berlitz umsetzen, der auch Katzdangen erbaute. Das Schloss wurde 1915 durch russische Soldaten in Brand gesteckt und sollte danach als Steinbruch dienen. Der Abbruch konnte gestoppt werden. Nach Internetangaben sind bis heute Ruinen erhalten.

 

Erwahlen - Arlava, Kurland, Lettland

Das ehemalige Gut wurde bereits seit 1231 unter verschiedenen Namen erwähnt (Arowelle, Arwalen, Arevalo) und befindet sich nördlich von Talsi (dt.: Talsen) bei Valdemarpils (dt.: Sassmacken) und war vermutlich im Besitz der alten kurländischen Familie von Behr. Über Hintergründe zum Gut und dessen Gutshaus ließ sich nichts ermitteln. Das Gutshaus existiert in stark veränderter Form noch heute.

 

Firckshof, Firkshof - Virkas Muiza, Kurland, Lettland

Erster Besitzer und Namensgeber des Firckshof im heutigen Kuldiga (dt.: Goldingen) war Jürgen von Fircks, der das Land 1494 vom Deutschen Orden erhielt. Er baute ein erstes Herrenhaus ca. 1,5km entfernt vom heutigen Haus. Man vermutet, dass drei Generationen der Fircks das Gut besaßen. Nach dem Tode von Jürgen von Fircks Nachfahren wurde das Gut vermietet. Von 1677 bis 1689 lebte der Pfarrer Gerhard Hartmann und danach der Pfarrer Bernhard Johann Nerezius in dem Haus. Danach wurde das Anwesen als Pfarrschule genutzt. 1705 wurde das Anwesen unter die Verwaltung der Kurländischen Ritterschaft gestellt. 1753 nutzte der Herzog Peter Biron das Haus. Danach war Friedrich Ernst Brincken der nächste Besitzer. Ab ca. 1803 war Dietrich Johann Werner von Behr(?). Etwa zu dieser Zeit sind vermutlich die beiden gemauerten, turmartigen Seitenergänzungen an dem Herrenhaus vorgenommen wurden. Das neue Herrenhaus wurde vermutlich im 19. Jh. im Schweizer Stil erbaut. Warum das Haus in der eigentümlichen Holzbauweise ausgeführt wurde und durch wen ist unbekannt.

 

Garssen - Garsene, Kurland, Lettland

Garssen (lett.: Garsene) wird das erste Mal 1563 erwähnt. Das Schloss Garssen befindet sich südlich von Jekabpils (dt.: Jakobstadt) und nordwestlich von Daugavpils (dt.: Dünaburg) und wurde im neogotischen Stil nach dem Vorbild eines Herrenhauses in Deutschland 1856 bis 1860 erbaut. Über vier Jahrhunderte war das Anwesen von 1563 bis 1922 im Besitz der Familie Budberg-Beninghausen.  1885 wurde das Herrenhaus durch einen Seitenflügel erweitert. 1939 wurde das Schloss zu einer Schule umfunktioniert. Bis heute ist in dem sehr gut erhaltenen Gebäude mit der einzigartigen Parkanlage die Grundschule von Garsene untergebracht.

 

Grendsen - Grendze, Kurland, Lettland

Es gibt im südlichen Lettland mehrere Orte dieses Namens. Vermutlich ist auf der Postkarte der Ort südlich von Illukste (dt.: Illuxt) und westlich von Daugavpils (dt.: Dünaburg) gemeint. Über die Geschichte des Gutes bzw. dessen Besitzer ließ sich nichts ermitteln. Das Gutshaus wurde durch Mörserbeschuss im September 1915 zerstört.

 

Grenzhof - Augstkalne, Mezmuiza, Kurland, Lettland

Der Ort Augstkalne mit seinem Schloss liegt ca. 40km südwestlich von Jelgava (dt.: Mitau) und ca. 10km südwestlich von Tervete (dt. Hofzumberge) nahe der Grenze zu Litauen. Der Ort hieß bis 1939 Mezmuiza. Das Schloss wurde vor 1870 erbaut durch die Familie von Lieven erbaut. Das Gebäude stellt eine Kombination verschiedener Baustile dar. Es finde sich neogotische Elemente außen und Neo-Rokoko im Innern. Seit 1954 ist in dem Schloss eine Schule untergebracht. Das Gebäude und der dazugehörige Park sind sehr gut erhalten.

 

OrdensBurg Grobin - Grobina, Kurland, Lettland

Der Ort liegt dicht bei Libau (Liepaja). Die Burg wurde 1245 vom Deutschen Orden errichtet und in Kämpfen mit den Kuren zerstört aber 1290 wiederaufgebaut. Die rechteckig angelegte Burg maß in etwas 40x70 Meter und besaß einen dreistöckigen Südflügel und einen Turm in der Westmauer. Sie hatte ihre Bedeutung als „Schlüssel zum Kurland“. Am Ende der Ordenszeit wurde die Burg an den Herzog Albrecht von Preußen verpfändet. 1608 gelangte die Burg wieder zurück an Kurland. Im 17. Jh. wurde die Festung grundlegend umgebaut und weiter verstärkt. Bis in das 18. Jh. befand sich in der Burg die Verwaltung für das umliegende Gebiet. Nach Beschädigungen am Anfang des 19. Jh. wurde die Anlage nicht mehr saniert und verfiel allmählich.  In ihrer Geschichte wurde die Festung unter anderem von Schweden (1701), Franzosen (1812) und Deutschen (1915 – 1918) erobert und besetzt. Heute ist von der Burg eine beeindruckende Ruine erhalten.

 

Gross-Auz - Lielauce, Kurland, Lettland

Das prachtvolle Herrenhaus südöstlich von Saldus (dt.: Frauenburg) wurde im spätklassizistischen Stil mit Empireelementen im 19. Jh. erbaut. Durch einen Brand 1900 wurde das Schloss stark zerstört aber bereits 1901 erneut aufgebaut und erweitert. Das Schloss war im Besitz der Familie des Barons von Medem. Die Gutsanlage selbst entwickelte sich seit dem 17. Jh. Nebengebäude sind bis heute erhalten. Der Schlosspark wurde im 18. Jh. angelegt. In der Nähe des Schlosses befinden sich Reste einer kurischen Ringfestung. Diese wurde als eine der letzten Wehranlagen erst im 15. Jh. durch den Deutschen Orden erobert. Heute befindet sich in dem Schloss eine Grundschule

Gross-Born - Lielborne, Kurland, Lettland

Das ehemalige Gut liegt östlich von Daugavpils (dt.: Dünaburg) am Ufer Daugava (dt.: Düna). Das Gutshaus ist Teil eines heutigen Landwirtschaftsbetriebes und steht leer und verfällt. Von den Nebengebäuden sind noch einige erhalten.  Das Herrenhaus wurde 1896 erbaut und befand sich im Besitz der Familie Freitag – Loringhofen. 1899 wurde Wessel Freiherr von Freitag – Loringhofen geboren (1899 – 1944), der auch am Attentat auf Hitler beteiligt war. Der letzte Besitzer des Gutes bis zur Enteignung war Friedrich Sellin. Danach Befand sich eine Schule in dem Gebäude.

 

Gross-Dselden, Lieldzelda, Dzelda, Dizdzelda - Kurland - Lettland

Erstaunlicherweise lässt sich über das von Stavenhagen im Stahlstich festgehaltene Herrenhaus nur recht wenig erfahren. Es lag etwa auf halbem Weg zwischen Skrunda (dt.: Schrunden) und Priekule (dt.: Preekuln). In Dselden gab es eine Burg über die sich weder bei Pirang noch in den Burgenlisten von Menar und Tuulse Eintragungen finden.  Von dieser Burg scheint nur noch der Burghügel erhalten zu sein. Der Ort selbst wird schon 1253 als Celde oder Dselde erwähnt. Von dem Herrenhaus ist wohl nichts mehr erhalten, es ließen sich auch keine Informationen über dessen Besitzer ermitteln.

 

 

Gross-Eckau - Iekava, Kurland, Lettland

 

Der Ort mit dem ehemaligen Gut befindet sich 23km nördlich von Bauske (lett.: Bauska). Der Ort wird bereits 1492 erwähnt. Im 16. Jh. war das Gut im Besitz der Familie von Trotta (gen. Treyden). 1773 gehörte das Gut dem russischen Baron Peter von der Pahlen. 1826 wurde Groß-Eckau dem Sohn Peter übergeben. Er starb 1864 ohne Nachkommen. So ging das Gut an den Neffen Graf Leonid von der Pahlen auf Holzumberge. Der Sohn Sergei übernahm das Gut 1908. 1920 wurde das Gut enteignet. Die Gestaltung des frühklassizistischen Gutshauses war interessant: der Bau war dreigeteilt und wurde durch eine strenge Fensterlinie bestehend aus 16 Fenstern zusammengehalten. Vor dem Bau befand sich eine breite Freitreppe. Das Herrenhaus wurde zeitgleich mit Elley, Katzdangen und Mesothen gebaut. Eventuell stammte der Entwurf auch von Johann Georg Berlitz. Durch seine verschachtelte, niedrige Bauweise ähnelt der Bau eher einer großen Villa. Es wird vermutet, dass das Haus die Fortsetzung eines früheren Baus war. Das Gutshaus brannte durch zurückziehende russische Soldaten im I. Weltkrieg 1915 ab. Nach Internetangaben sind heute noch Stallgebäude erhalten.

Gross-Iwanden - Ivande, Kurland, Lettland

Das Rittergut Groß-Iwanden entstand durch den Zusammenschluss von mehreren kleinen Gütern. Mitte des 16. Jh. war das Gut im Besitz der Familie von Rudolf Steinrat. Drei Generationen verblieb der Besitz in der Familie Steinrat und wurde durch sie vergrößert. 1643 erfolgte der Verkauf an Hofmarschall Christof von Sacken. 1646 wurde das Anwesen an Dettlof von Tiesenhausen weiterverkauft. Durch Tod und damit verbundener Erbschaft ging der Besitz 1690 an Ernst Gotthard von Manteuffel-Szoege. Wegen fehlende Erben wurde der Besitz 1750 an Friedrich Johann von Schlippenbach auf Gaicken und Muischazeem verkauft. 1821 wiederum erfolgte der Verkauf an Peter von Medem. 1853 wurde das Gut nochmalig an Baron Eduard von Heyking weiterverkauft. Im Besitz der Familie Heyking verblieb das Gut bis zur Enteignung 1920. Das Schloss entstand als neoklassizistischer Bau um 1860 nach Entwürfen des Architekten Theodor Zeilers. Auf der Parkseite befindet sich ein gewaltiger Portikus, der durch zwei freistehende und zwei angedeutete gewaltige, in Kolossalordnung gestaltete ionischen Säulen getragen wird. Durch einen Brand wurde das Schloss um 1905 zerstört, aber um 1912 wiederaufgebaut. Das Schloss mit seinem weitläufigen Park ist in einem sehr guten Zustand und wird heute als Jugendherberge genutzt.

 

Gross-Platon - Lielplatone, Kurland, Lettland

Das ehemalige gut ist südlich von Jelgava (dt.: Mitau) am Fluss Platone gelegen. Das Gebiet wurde um 1500 vom Ordensmeister Wolter von Plettenberg an Heinrich Mervelt (Meerfeldt) verliehen. Die Familie Meerfeldt verwaltete das Gut bis 1623. Ein Nachfahre Heinrichs verkaufte den Besitz an den herzoglichen Kanzler Michael Manteuffel. Dieser gab das Gut an seinen Schwiegersohn Heinrich von Plettenberg. Zwischenzeitlich wurde das Gut in Schönwerde umbenannt. Durch Heirat gelangte das Gut in den Besitz der Familie Manteuffel (Szoege) auf Katzdangen. Bis zum Konkurs der Familie von Manteuffel-Szoege 1803 verblieb der Besitz in der Familie und ging dann 1804 an Ernst Philipp Wilhelm von Drachenfels auf Sturhof und Autzenbach. Durch Erbschaft ging das Gut nun an Adelheid und Wilhelm von Hahn. Bis zur Enteignung 1920 verblieb der Besitz in der Familie. Das Gutshaus wurde durch die Familie Hahn von 1845 bis 1860 erbaut. Der ursprüngliche Entwurf stammt von dem Architekten E.J.A. Strauss aus Kurland. Heute ist das Gutshaus mit seiner neo-hellenistischen Gliederung mit russischem Einfluss (Einschätzung nach Pirang) restauriert aber einige Schmuckelemente fehlen an der Fassade. Das Gebäude beherbergt eine Schule.

 

Gross-Salwen - Lielzalve, Kurland, Lettland

Das zweigeschossige Gutshaus mit seinen charakteristischen Seitenrisaliten wurde im 19. Jh. erbaut. Viele Schmuckelemente gingen bei späteren Umbauten verloren und so wirkt das ehemalige Herrenhaus heute eher nüchtern. Nach Agrarreform wurde das Gutsland aufgeteilt und an Bauern gegeben. Im Gutshaus wurde eine Schule eingerichtet, die jedoch 2008 geschlossen wurde. Heute ist das Gebäude ungenutzt. Im Keller sollen noch alte Gewölbe erhalten sein. Weitere Details zur Geschichte des Herrenhauses konnten nicht ermittelt werden.

 

Schloss Grünhof - Zalenieki, Kurland, Lettland

Grünhof war eines der ältesten Ordenslehen in Kurland. 1562 wurde das Gut zum Lehenshof und Jagdgebiet des Herzogs von Kurland, Gotthard Keller. 1768 erfolgte der Baubeginn des Schlosses auf Veranlassung von Herzog Ernst Johann Biron und nach Entwürfen des Architekten Bartolomeo Rastrelli, der jedoch vor der Vollendung starb. Der Architekt Severin Jensen beendete den Bau. Daher erklärt sich auch die Mischung aus Spätbarock und Klassizismus. 1795 ging das Gut an Alexander von Württemberg. 1850 wurde das Anwesen durch dessen Sohn an Alexis von Scheping verkauft. Später ging das Gut über an Karl Theodor von Medem auf Elley. Nach der Enteignung 1920 wurde das Schloss eine Schule und ist es bis heute geblieben. Die Fassade und Decken- und Wandmalereien aus dem 18 Jh. blieb weitestgehend bis heute erhalten.

 

Burg und Herrenhaus Hasenpoth, Hasenpot - Aizpute, Kurland, Lettland

Hasenpoth, zwischen Kuldiga (dt.: Goldingen) und Liepaja (dt.: Libau) gelegen, wurde erstmals im 13. Jh. erwähnt. Die einstige Hansestadt war Ordenssitz und Sitz des kurländischen Domkapitels. Um 1249 (andere Quellen etwas früher) wurde die Burg Hasenpoth durch den Ordensmeister Dietrich von Grüningen als Sicherungsanlage zwischen Riga und Preußen errichtet. Nach dem Livländischen Krieg wurde die Burg nicht mehr militärisch, sondern als Speicher genutzt. Anfang des 17. Jh. wurde die Burg renoviert aber Mitte des 17. Jh. im polnisch-schwedischen Krieg erneut zerstört. Danach wird die Anlage erneut aufgebaut und geht nach dem Tod des Herzogs von Kurland in den Besitz von Michael Friedrich Nold über. Die Burg wird zum Wohnschloss umgebaut. Aber auch diese Bedeutung verliert die Anlage bald. In den 1920er Jahren war die Burg noch teilweise als Wirtschaftshof und Wohngebäude genutzt und war im Besitz des Barons Grotthus. Die Gutsherren wohnten im nahegelegenen neuen Herrenhaus, dass nach der Reform wohl als Gymnasium genutzt wurde. Ab 1990 wurden schrittweise Restaurierungsarbeit an der ruinösen Anlage durchgeführt um sie vor dem weiteren Verfall zu schützen.

 

Ilgen bei Skrudeline - Ilga bei Skrudaliena, Kurland, Lettland

Das ehemalige Herrenhaus Ilga liegt südlich von Skrudaliena (dt.: Skrudalina) direkt im Grenzgebiet zu Weißrussland mitten im Wald und ist nur durch holprige Wege zu erreichen. Es lag im östlichsten Zipfel des ehemaligen Kurlands. Das Herrenhaus wurde um 1890 durch den Architekten Wilhelm Neumann im Stil des Historismus erbaut und wurde bis 1920 als Jagdschloss genutzt. Im I. Weltkrieg wurde das Anwesen teilweise zerstört. Zur weiteren Geschichte des Hauses ließ sich nichts ermitteln. Es beherbergt heute ein modernes Institut für Biologie der Universität von Daugavpils und wurde mit EU-Mitteln prachtvoll saniert. Auffallend sind die Strahlend weißen und mächtigen Säulen an der eigentlich wenig repräsentativen Seite des Gebäudes. Der seitliche Portikus wirkt etwas überdimensioniert und deplatziert. 

 

Ilsenberg - Ilzenbergas bei Rokiskis, Kurland, Litauen

Das Gut Ilsenberg liegt heute in Litauen an der Grenze zu Lettland nahe dem Ort Rokiskis, gehörte aber nach alten Karten zu Kurland. Es wird erstmalig im frühen 16. Jh. urkundlich erwähnt. Die Gründung erfolgte vermutlich durch die Familie Berndt von Kerssenbrock. Die Familie besaß das Gut von 1515 bis 1616. Danach ging es ca. 1642 nach verschiedenen Besitzerwechseln in den Besitz von Nicolaus von Korff über. 1687 erstand Adam von Orgies - Rutenberg das Anwesen. Bis 1863 verblieb der Besitz in der Familie Orgies – Rutenberg. Da der letzte Besitzer der Familie, Ernst Dietrich Victor, kinderlos blieb, verkaufte er den Besitz an den deutschen Ingenieur Fuchs. Er erbaute den Palast und nannte ihn angeblich nach seiner Frau Ilse oder Elsa Ilsenberg. Hier verschwimmen Geschichte und Legende, da der Name Ilsenberg viel älter ist. Fuchs bewirtschaftete das Gut bis 1896. 1896 kaufte Eugenius Dymsza das Anwesen. Bis zur Enteignung durch sowjetische Behörden verblieb das Gut in der Familie Dymsza. Die Familie floh vor der drohenden Deportation nach Litauen. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Gut unter russischer Führung ein staatlicher Landwirtschaftsbetrieb. Nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Lettlands war das Gut verlassen und verwahrloste. 2003 wurde der Besitz privatisiert. Das Ziel nach der Privatisierung war es, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu errichten, der nach ökologischen Gesichtspunkten wirtschaftet. Der heutige Wirtschaftsbetrieb "Ilzenbergas" organisiert Führungen durch den Park und den Betrieb.

 

Kaleten - Kaleti, Kurland - Lettland

Über dieses Gut, das einst südöstlich von Liepaja (dt. Libau) und südwestlich von Priekule (dt.: Preekuln) dicht an der Grenze zu Litauen lag ließen sich nur wenig geschichtliche Angaben ermitteln. Lediglich war herauszufinden, dass im 17. Jh. das Gut im Besitz eines Magnus Nolde und danach in den Händen von Heinrich von Dönhoff war. Das Gutshaus entstand um 1876 und ist bis heute erhalten. Es beherbergt eine Grund- und Musikschule.

 

Kalkuhnen - Kalkuni, Kurland - Lettland

Kalkuni ist ein schmuckloser Vorort von Daugavpils (dt.: Dünaburg). Hier findet sich ein imposantes Herrenhaus. Es wurde zwischen 1890 und 1892 durch den Grafen von Oettingen nach Plänen des damals berühmten Architekten Carl Johann Wilhelm Neumann (lett.: Vilhelms Neimanis, 1849-1919) erbaut. Heute befindet sich das heruntergekommene aber immer noch beeindruckende Gebäude auf dem Gelände einer Schule. Direkt angeschlossen und in unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich Zweckbauten aus der Sowjetzeit.

 

Burg Kandau - Kandava, Kurland, Lettland

Der Ort Kandava (dt.: Kandau) liegt ca. 20 km südöstlich von Talsi (dt.: Talsen) am Fluss Abava (dt.: Abau) in der „Kurischen Schweiz“. In dem Ort befand sich eine Befestigung des Deutschen Ordens zum Schutz der Handelsstraße von Goldingen (lett.: Kuldiga) und Riga. Nachweislich hat die Burg schon um 1318 existiert. Die Burg wurde strategisch auf einem Berg errichtet. Am östlichen Berghang befindet sich noch heute ein Turm der ehemaligen Befestigungsanlage, der an tieferer Stelle errichtet wurde. Dem Turm werden Verwendungen als Brunnenturm, Wachhaus oder Pulverturm zugeschrieben. Außer dem Burgberg und dem Turm sind keine Reste der Burg erhalten geblieben.

 

Katzdangen - Kazdanga, Kurland, Lettland

Der Name Katzdangen geht auf den lettischen Namen für Ziege (kaza) zurück. Eine Ziege soll in einer uralten Legende um das Gut eine Rolle gespielt haben. Seit dem 16. Jh. war das Gut im Besitz der Familie Manteuffel - Szoege. Der Architekt Georg Berlitz hat von 1800 bis 1804 das Schloss im Auftrag des Besitzers Karl Gustav von Manteuffel als zweistöckigen Monumentalbau im Stil des Spätklassizismus entworfen und gebaut. Das Schloss wurde durch eine der größten und schönsten Parkanlagen des Baltikums umgeben. In den Revolutionsjahren um 1905 brannte das Schloss ab, wurde jedoch nach Plänen von Paul Schultze-Naumburg wiederaufgebaut. Im I. Weltkrieg wurde das Schloss erneut zerstört und zwischen 1925 und 1929 abermals aufgebaut. Letzter Gutsbesitzer auf Katzdangen war Georg von Manteuffel. Ab 1930 war hier eine staatliche Landwirtschaftsschule untergebracht. Heute wird das Schloss als Kultur- und Ausbildungszentrum genutzt.

 

Kautzmünde Aahof - Kaucminde Sauleine, Kurland, lettland