Lost Places & Unlost Places Baltikum

Kurland, Lettland L - R

LaiDsen - LaiDze, Kurland, Lettland

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Märzendorf, Merzendorf - Mercendarbe, Kurland, Lettland

Das ehemalige Gut Märzendorf liegt ca. 5km nordöstlich von Baldone (dt.: Baldohn) südlich der Daugava (dt.: Düna). Der Ort wird bereits um 1254 erwähnt. Der Name geht vermutlich auf eine Familie Merzen, Merz oder Mertz zurück, die vermutlich ursprünglich aus dem Südwesten Deutschlands stammte. Eine andere Version deutet auf den Namen Merzepole oder Metzepole hin, eine Landschaftsbezeichnung aus Livonischer Zeit. Das Gut hatte viele Besitzer. Das Herrenhaus wurde um 1789 erbaut und später mehrfach um- und ausgebaut. So lassen sich heute noch Rokkoko-Elemente erkennen. Um ca. 1915 wurde dem Gebäude eine zweite Etage hinzugefügt. Im Innern sind noch alte Treppen, Wandmalereien und Bodenfliesen erhalten. Zu dem Herrenhaus gehört ein gepflegter Park. Der ursprüngliche Besitzer war Karl von Pfelitzer Frank, der das Gut 1686 an den Herzog von Kurland, Friedrich Kasimir, verkaufte. Danach war Peter von Biron (1724 – 1800, letzter Herzog von Kurland) der Besitzer. 1786 wurde das Anwesen an Baron Friedrich Georg von Lieven (1748-1800) verkauft. Dieser nutzte das Schloss als Jagd- und Sommerresidenz. Der Besitz blieb bis zum I. Weltkrieg in den Händen der Familie von Lieven. Letzter Besitzer war Carlos von Lieven (1879-1971). Von 1920 bis 1939 wechselten die Besitzer und die Nutzung bis 1939 ein Kinderheim im Herrenhaus eingerichtet wurde. Erst 2012 wurde es geschlossen. Heute sind in dem Schloss ein Hotel und Tagungszentrum eingerichtet.

(Die Identifikation des Herrenhauses wurde ermöglicht durch die Unterstützung von Wolfgang Sax - Arbeitsgemeinschaft Feldpost 1914-1918 e.V.)

 

Mitau - Jelgava, Kurland, Lettland

Zwischen den Flüssen Aa und Drixe liegt das imposante Residenzschloss der einstigen kurländischen Hauptstadt Mitau (lett.: Jelgava). Schon 1265 wurde hier durch den Deutschen Orden eine erste Residenz „Haus Mitow“ errichtet. Im Herzogtum Kurland diente das Schloss als Fürstenresidenz. In der Folgezeit erlebte das Schloss viele Besitzerwechsel: König Gustaf Adolf von Schweden, Fürst Radziwill von Polen, Herzog von Kurland Jacob Kettler, König Karl XII. von Schweden, Peter I. von Russland. Das Alte Schloss wurde durch Herzog Ernst Johann Biron gesprengt und durch ihn 1738 der Neubau eines größeren Schlosses veranlasst. Die Umsetzung erfolgte nach den Plänen des italienischen Architekten Rastrelli, der auch schon das Winterpalais in St. Petersburg konzipiert hatte. Um klassizistische Elemente wurde es durch den dänischen Architekten Severin Jensen ergänzt. Mit der Übernahme des Kurlandes durch Russland erhielt auch das Schloss einen neuen Besitzer. General Pahlen wählte nun als Generalgouverneur das Schloss zu seinem Amtssitz. 1919 wurde das Innere des Schlosses durch russische Truppen zerstört. Auch im II. Weltkrieg, im Sommer 1944, erlitt das Schloss erhebliche Zerstörungen. Nach dem 2. Weltkrieg in der 1950er und 60er Jahren wurde die Anlage äußerlich restauriert. Seit 1939 ist das Schloss Sitz der Lettischen Landwirtschaftlichen Universität. Das Schloss beherbergt über 300 Räume und ist mit 150 m Fassadenlänge eine der größten Schlösser im Baltikum. Die Entwürfe Rastrellis waren nicht ohne Kritik. Die Fassade wurde in ihrer langgestreckten Form als langweilig empfunden. Untypisch ist auch das Fehlen eines Schlossparkes. Die ehemals in U-Form angelegten Bauten wurden 1937 durch einen vierten Bau ergänzt und somit ein geschlossenes Ensemble erschaffen.

 

Neuenburg - Jaunpils, Kurland, Lettland

Die zwischen Saldus (dt.: Frauenburg) und Jelgava (dt.: Mitau) gelegene Burg wurde durch den Deutschen Orden Mitte 1301 erbaut. Neuenburg ist eine typische Wasserburg und konnte nur durch eine Zugbrücke betreten werden. Die Burg mit ihrem viereckigen Hof wurde mehrfach um- und ausgebaut, so z.B. wurde der charakteristische Turm im 15. Jh. hinzugefügt. Nach starken Zerstörungen durch die Schweden im 17. Jh. wurde die Burg erneut stark umgebaut bzw. zu einem Wohnschloss ausgebaut. In den Wirren der Revolution 1905 wurde die Burg niedergebrannt aber durch vom Architekten Wilhelm Bockslaff erneut aufgebaut. Bis heute hat sich trotz der Umbauten der mittelalterliche Charakter erhalten. Der martialische äußere Anblick der scheinbar schmucklosen Burg mit den kleinen Fenstern beeindruckt bis heute. Die Burg war seit der Ordenszeit ununterbrochen bis zur Enteignung im Besitz der Familie von der Recke. Nach der Enteignung war in dem Anwesen eine Forschungseinrichtung für Viehzucht untergebracht. Heute ist die Burg restauriert und dient als Hotel.

 

Neugut - Vecmuiza, Kurland, Lettland

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Neu-Moken - Jaunmoku, Kurland, Lettland

Das Schloss mit seinen erhaltenen Wirtschaftsgebäuden und dem umgebenden Park liegt im Kreis Tukums (dt.: Tuckum). Der Name selbst wurde bereits um 1544 erwähnt. Das Schloss selbst wurde erst um 1901 erbaut. Das neogotische Schloss ist noch recht jung aber wird als ein kleines Meisterwerk des Architekten Wilhelm Bockslaff (1858-1945) angesehen. Das Anwesen diente dem Rigaer Bürgermeister George Amistaed (1847-1912) als Jagdschloss. Amistaed (die Familie stammte ursprünglich aus England) war Unternehmer und Ingenieur. Er setzte sich für das Schulsystem in Riga, das Wohlfahrtswesen und den Bau verschiedener Gebäude in Riga ein. Von ihm und seiner Frau existiert eine Skulptur nahe der Oper. Amistaed übernahm das Anwesen Neu-Moken um 1885. Nach dem Tod des Vaters übernahm er ein anderes Gut und verkaufte Neu-Mocken an die Familie von Brincken. Von 1910 bis 1918 gehörte das Anwesen der Familie Ungern-Sternberg und danach der Familie von Wilhelm Freymann. 1920 wurde das Gut aufgeteilt. Der Zentralbereich verblieb zunächst im Besitz der Familie Freymann. Ab 1929 wurde das Schloss dann als Rehabilitationszentrum für Kinder genutzt. Im zweiten Weltkrieg diente es der russischen und der deutschen Armee u.a. als Offiziersschule, ein Funksender war hier untergebracht und ein Krankenhaus. Danach wurde das Schloss als Kino, als Bürogebäude oder als Wohnhaus genutzt. Dabei wurden keinerlei Renovierungen durchgeführt und das Schloss verfiel immer mehr und war kaum noch zu retten. 1974 übernahm das Forstministerium das Gebäude. Über 20 Jahre lang wurde das Anwesen saniert. Heute beherbergt es ein Forstmuseum und dient als Veranstaltungsort. In den Wirtschaftsgebäuden sind ein Hotel und ein Restaurant angeschlossen.

 

Nurmhusen - Nurmuiza, Kurland, Lettland

Das südöstlich von Talsi (dt.: Talsen) gelegene Gut Nurmhusen wird das erste Mal im 14. Jh. erwähnt. Das Gut entstand als Wirtschaftshof des Deutschen Ordens. Seit 1566 war das Gut über 400 Jahre lang im Besitz der Familie von Fircks. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die Gutsgebäude durch Georg von Fircks, herzoglicher Rat und Hauptmann von Goldingen, als Rechteckanlage mit Ställen, Kapelle und Herrenhaus erbaut. Ende des 17. Jh. erfolgten erste größere Umbaumaßnahmen durch Carl von Fircks. Zwischen 1909 und 1912 wurden letzte größere Veränderungen nach Plänen des Rigaer Architekten Wilhelm von Bockslaff durchgeführt. 1920 verließ die Familie von Fircks wie so viele baltischen Gutsbesitzer ihren Besitz. Zu Sowjetzeiten war das Gut Sitz eines staatlichen Landwirtschaftsbetriebes. 1993 wurde der Besitz von privater Hand übernommen und befindet sich bis heute in Privatbesitz. Seit 2005 finden umfangreiche historische Untersuchungen und Sanierungsarbeiten im gesamten Gutshof statt.

Pelzen / Peltzen - Pelce, Kurland, Lettland

Das Dorf Pelzen (let.: Pelce) in der Nähe von Goldingen (let.: Kuldiga) wurde 1441 durch den Ordensmeister Heidenreich Vincke an Heinrich Knorre vergeben. Die Folgezeit bleibt bis in die Mitte des 16. Jh. unbekannt. Nun gelangte der Besitz in die Hände der Familie v. d. Brincken. 1653 wurde das Gut durch Ludolf v. d. Brincken an Friedrich Wilhelm von Dreyling verkauft. 1678 ging der Besitz durch Verkauf an Gerhard Albrecht von Torck. 1707 wurde es an die Familie von Otto Ernst v. Vietinghoff übertragen. Es folgten mehrere Besitzerwechsel, darunter von Korff, von Rosenberg, von Sacken, von Funck, von Bolschwing, von Lieven bis es 1909 nach dem Tode von Michael von Lieven durch Baron Erwin von Heyking erworben wurde. Dessen Familie war auch im Besitz von Groß-Iwanden und Wandssen. Dieser behielt das Gut bis zur Enteignung.

 

Das Herrenhaus aus rotem Backstein wurde 1903 bis 1904 erbaut. Der Bau wurde durch den Architekten Wilhelm Neumann (1878-1919) geleitet. Er war für die gesamte Gestaltung innen und außen verantwortlich. Das Gebäude verfügte über eine für damalige Verhältnisse modernste Infrastruktur (Zentralheizung, Kanalisation, Fitnesscenter usw.). Eine große Bibliothek gehörte ebenfalls zum Schloss. Das Schloss wird durch einen Park und Wirtschaftsgebäude umgeben. Der Park selbst wurde durch den Architekten Georg Kufaldt (1843-1938) um 1902 angelegt. Die Architektur des imposanten aber düster wirkenden Herrenhauses wird durch Pierang als erfolgloser Versuch kritisiert, gotische Elemente und Renaissancemotive zu kombinieren. 1922 wurde in dem Haus eine Schule eingerichtet. Im II. Weltkrieg war hier das Hauptquartier der Division „Kurland“ der Wehrmacht eingerichtet. Am 8. Mai wurde hier der Waffenstillstand der „Kurland-Armee“ für die „Festung Kurland“ unterschrieben. Heute ist in dem Schloss die Grundschule von Pelci (dt.: Pelzen) untergebracht.

 

Preekuln - Priekule, Kurland - Lettland

Der Ort im Südwesten Lettlands (östlich von Liepaja) wurde 1483 erstmal urkundlich erwähnt als das Land durch den Ordensmeister Bernd v. d. Borch an Klaus Korff vergeben wurde. Die Familie Korff entstammte dem Hause Harkotten aus Westfalen. Die Familie Korff besaß dieses Gut über alle Jahrhunderte bis zur Enteignung 1920. Der letzte Besitzer war Nikolai Korff ab 1884. Das bis heute erhaltene und sanierte Schwedentor wurde um 1600 als Eingang zum Gut erbaut (andere Quellen erwähnen ca. 1680) und wurde durch zwei bedrohliche Skulpturen flankiert. Diese wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Über die Geschichte des neogotischen Schlosses von Preekuln ließ sich nur wenig ermitteln. Nur so viel, dass es erhalten ist und nach letzten Informationen als Schule genutzt wird.

 

Pulkarn - Pulkarne, Kurland - Lettland

Der Ort Pulkarne (dt.: Pulkarn) liegt südlich der Daugava (dt.: Düna) nur ca. 30km südöstlich von Riga entfernt. Das Gut hieß auch Friedrichshof. 1610 verkaufte Franz Schultz als Erbe des Besitzers Diedrich Düster an den Rigaer Burggraf Johann Friedrich (daher der alternative Name).  Leider konnten über die weitere Geschichte des Gutes und des Gutshauses keine näheren Informationen ermittelt werden. Lediglich die Umstände der Zerstörung des kleinen, einstöckigen Herrenhauses sind bekannt. Im Oktober 1915 besetzte das deutsche Reserve-Infanterie-Regiment Nr.35 die Gegend an der Düna. Am Abend des 1. Februar 1916 brannte das Gutshaus. Es wird vermutet, dass entflohene russische Gefangene den Brand gelegt haben. Die russische Artillerie schoss auf das brennende Gutshaus und zerstörte es völlig.(Die Identifikation des Herrenhauses wurde ermöglicht durch die Unterstützung von Wolfgang Sax - Arbeitsgemeinschaft Feldpost 1914-1918 e.V.)

 

Pusseneeken - Puzenieki, Kurland - Lettland

1640 wurde das ca. 40 km von Windau (lett.: Ventspils) entfernt gelegene Gut Pusseneeken durch den Besitzer Johann Ehwald von Mirbach vom Gut Pussen abgetrennt und an den jüngeren Bruder Emmerich gegeben. Im Besitz der Mirbachs verblieb der Besitz bis zum Tode von Friedrich von Mirbach 1842. Es wurde an Emilie von Stromberg verkauft. 1854 ging es durch weiteren Verkauf an Oskar Grotthuss, der 1920 starb. 1913 übereignete Oskar das Gut seinem Sohn Baron Kuno. Dieser wurde 1920 enteignet. Das Gutshaus wurde ab 1920 als Schule genutzt. Das Herrenhaus wurde Mitte des 19. Jh. erbaut. Neben dem Herrenhaus sind noch beeindruckende Reste der Kleete (Vorratsspeicher für Getreide etc.) und des Stalls erhalten. Die Zweckbauten mit ihren Rundbögen waren liebevoll gestaltet. Auf dem Gelände befindet sich auch ein verlassenes Schulgebäude aus jüngerer Zeit.

 

Rudbahren - Rudbarzi, Kurland, Lettland

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Ruhenthal, Ruhental - Rundale, Kurland, Lettland

Ruhenthal ist ein Barockschloss nahe der Stadt Bauska (dt.: Bausk), das nach dem Vorbild des Schlosses Versailles mit 138 Räumen erbaut wurde. Der Architekt war Graf Bartolomeo Rastrelli (1700-1771), der vor allem in Sankt Petersburg einige bedeutende Schlösser und andere Gebäude gestaltet hat. Der Bau erfolgte von 1735-1740 im Auftrag der russischen Zarin Anna Iwanowna und sollte als Sommerresidenz für den kurländischen Baron Ernst Johann Biron dienen. Die Inneneinrichtung wurde erst zwischen 1763 und 1768 unter Zarin Katharina II. fertiggestellt. Nach dem Tod Birons nutzte sein Sohn Peter bis 1795 das Anwesen. Nach der Besetzung Kurlands und Semgallens durch Russland erfolgte die Übergabe des Schlosses an den Günstling der Zarin, Platon A. Subow. Danach war die Anlage im Besitz der Familie Schuwalow. 1920 wurde das Schloss lettischer Staatsbesitz und als Schule und Wohnhaus genutzt. 1933 befand sich das Historische Museum von Lettland in den Räumen. Den II. Weltkrieg hat das Schloss unbeschädigt überstanden und diente danach aber als Lagerhalle und wurde damit ruiniert. 1972 wurde es renoviert und wieder als Museum genutzt. Aktuell befindet sich hier ein Museum für ältere Kunstgeschichte Lettlands mit Ausstellungen zur Kunst Europas und eine Ausstellung zur Geschichte der Familie Biron. Das Schloss wird von einem riesigen Park im französischen Stil umfasst.