Lost Places & Unlost Places Baltikum

Kurland, Lettland S - Z

Samiten - Zemite, Kurland, Lettland

Der Name des Gutes hat seinen Ursprung im nahegelegenen Semitbach. Es wurde 1437 an Hermann Buttler verlehnt und verblieb bis 1675 im Besitz der Familie. 1676 erfolgte der Verkauf an den brandenburgischen Oberst Johan von Loebell (Leubel). 1679 ging das Anwesen an den Kapitänleutnant Wilhelm von Mirbach. Durch Heirat und Erbschaft 1722 ging es dann an Heinrich Ernst von Plettenberg. Nach dem Tod des letzten Erben 1785 übernahm durch Ersteigerung Georg Werner von Behr auf Stricken das Gut. Aber schon 1790 ging es weiter an Ferdinand von Fircks auf Lesten. Bis zur Enteignung 1920 verblieb es im Familienbesitz. Der letzte Besitzer war Baron Karl von Fircks. Das Gutshaus wurde in der Biedermeierzeit erbaut und später im 19. Jh. durch eckigen Turm im Neo-Renaissance-Stil erweitert. 1905 brannte das Haus aus, wurde aber wiederaufgebaut. 1931 brannte es erneut ab und wurde wiederum aufgebaut. Die Innenausstattung blieb nicht erhalten. Heute beherbergt das Schloss eine Schule.

 

Scheden - Skede, Kurland, Lettland

 

Das nordwestlich von Saldus (dt.: Frauenburg) und südöstlich von Kuldiga (dt.: Goldingen) gelegene Gut wurde bereits im 15. Jh. angelegt. Es war lange Zeit bis ins 18. Jh.  im Besitz der Familie von Brincken. Danach war es im Besitz der Familie des Freiherrn von Sass. 1766-1833 werden Generalleutnant Gideon Heinrich und General Georg Otto Ewald von Sass (1797 – 1883) als Herren auf Scheden genannt. Georg Otto Ewald wird nachgesagt, dass er ein rauer Kerl und ein Sammler von Waffen und Uniformen war. Nach dessen Tod wurden die gesammelten Stücke auf dem Dachboden verwahrt. Hier soll bis heute der Geist des Barons auf der Suche nach seinen Sammelstücken umgehen. Das Herrenhaus entstand 1761 und wurde im frühen 19. Jh. umgebaut und erweitert. Dabei wurde ein zweites Geschoss angefügt, der Aussichtsturm, ein Terrasse angefügt und die Seitenflügel erweitert. Mitte des 19. Jh. wurde es erneut modernisiert und es erhielt den bis heute erhaltenen neogotischen Stil. Der zentrale Dachturm musste weichen und dafür wurde der seitliche Tudorturm angefügt. Es diente im II. Weltkrieg als Lazarett. Heute ist das Gutshaus noch leidlich gut erhalten aber verlassen.

 

Schleck - Slekas, Kurland, Lettland

Schon im 15. Jh. war das Gut eine große Anlage mit Wirtschaftsgebäuden und einer Kirche. Das Wohnhaus war jedoch im Vergleich recht klein. Seit 1562 war das Gut wie Edwahlen im Besitz der Familie von Behr. Das Schloss wurde 1710 bis 1717 erbaut. Der damalige Herr auf Schleck war Ulrich Behr (1669-1749). Er ließ sich beim Bau durch Schlösser inspirieren, die er während seiner Reisen durch Europa gesehen hatte. Schleck entstand zur selben Zeit wie Friedrichstein, Dönhoffstädt und Carwinden. Ähnlichkeiten lassen sich vor allem beim Schloss Carwinden nachweisen. Am 10. Mai 1945, quasi nach der Kapitulation Deutschlands, wurde die Gutsanlage zerstört. Der letzte Besitzer von Schleck war bis zur Enteignung 1921 der noch minderjährige Johann Günther Behr, der bei der Verwaltung von Alexander Behr-Edwahlen unterstützt wurde. Heute ist das gesamte ehemalige Gut ein eimaliges Ruinenensemble. Die Imposanz der dreiseitigen Anlage, dessen vierte Seite durch einen See abgeschlossen wird, lässt sich heute noch gut erkennen.

 

Schlockenbeck - Slokenbeka, Kurland, Lettland

Informationen folgen

Schönberg - Skaistkalne, Kurland, Lettland

Das Gutshaus befand sich an der Grenze zu Litauen. Bislang konnten keine Informationen zur Geschichte und dem aktuellen Zustand des Gutes ermittelt werden.

 

Schönheiden, Schönheyden - Senheida, Sengeida, Kurland, Lettland

Das Herrenhaus Schönheiden liegt bei Skrudalina (dt.: Skrudelino / Skrandelina) an der Grenze zu Weißrussland und gehörte von 1749 bis 1920 der Familie Engelhardt. Das Herrenhaus wurde um 1870 im neogotischen Stil durch Eugen von Engelhardt erbaut. Das Gut wurde nach der Agrarreform aufgeteilt. Die Familie Engelhardt blieb jedoch bis zur endgültigen Ausweisung der Deutschbalten 1939 auf dem Restgut. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Gut zunächst als Lagerhaus genutzt. Später zog hier die Verwaltung eines Landwirtschaftsbetriebes ein. Heute wird das ehemalige Herrenhaus als Wohnhaus von mehreren Familien genutzt.

 

Senten - Zentene, Kurland, Lettland

Das ehemalige Gut Senten (lett.: Zentene) liegt nahe der Küste des Rigaer Meerbusens nördlich von Jurmala. 1540 wurde vom Ordensmeister der Ordensrat Philipp von der Brüggen, den Jüngeren, auf Stenden (lett.: Stende) mit dem Gut belehnt. Dieser hinterließ das Gut seinem 2. Sohn Johannes Philipp. Nach dessen Tod 1614 ging es an Johann von Wiegandt. Die Familie besaß es bis 1720. Durch eine zweite Heirat von Agnesia Sophia von Wiegandt, die vorher mit Philipp von Wiegandt verheiratet war, ging das Gut in die Familie von Otto Ewald von Sacken über und blieb bis 1818 in der Familie. Eine spätere Erbin, Wilhelmine von Osten-Sacken, war mit dem Grafen Karl von Lieven verheiratet. So ging das Gut 1835 in den Besitz der Familie von Karl von Lieven über. Bei der Bodenreform wurde das Gut und auch das Schloss aufgeteilt. Der letzte Besitzer vor der Enteignung war Fürst Nikolai von Lieven. Dieser verkaufte letztendlich das Restgut 1939. Das spätklassizistische Gutshaus mit seinem majestätischen Mittelbau mit zwei ionischen Säulen wurde um 1850 (gemäß einer gefundenen Inschrift vermutlich sogar schon 1843) im sog. Berliner Stil erbaut. Vermutlich befand sich am Ort schon ein älteres Schloss. Das Innere wurde im Stil der Neorenaissance gestaltet. Ab 1938 beherbergte das Schloss eine Grundschule. Von 1988 bis 1991 wurde das Schloss saniert. 2009 wurde die Schule geschlossen. 2011 wurde das Schloss versteigert und durch einen russischen Millionär erworben mit der Auflage, dass Anwesen in einer bestimmten Zeit zu sanieren. Dieser Auflage kam der Besitzer nach Internetangaben nur schleppend nach und der Zustand des Hauses verschlechtert sich. Auch der prächtige Schlosspark verwildert. Im Schlosspark war der Familienfriedhof der Familie von Osten-Sacken. Vermutlich sind auch Mitglieder der Familie von Lieven dort begraben. Die Grabstätten sind wohl verwildert und vermutlich nicht mehr aufzufinden. 2015 wollte der russische Besitzer das Schloss wieder veräußern.

 

Swenten - Svente, Jaunsvente, Kurland - Lettland

Das ehemalige Gut Swenten (lett.: Svente) liegt nur ca. 15km westlich von Daugavpils (dt.: Dünaburg) entfernt. Das kleine, einstöckige Herrenhaus mit Veranda und Dachbalkon wurde um 1913 durch Michael Plater-Syberg nach Entwürfen des Architekten Wilhelm Neumann im Stile des Spätbarocks und des Frühklassizismus erbaut. Am Eingang befindet sich ein halbrunder Risalit ebenfalls mit einem Dachbalkon. Der ehemalige Besitzer war die Familie Plater-Syberg. Nach der Reform diente das Herrenhaus ab 1922 als Schule. 1944 wurde hier ein Militärhospital untergebracht. Nach Ende des II. WK öffnete die Schule erneut. 1975 wurde eine neue Schule in Svente errichtet und das ehemalige Gut wurde verlassen und verfiel. 2005 wurde das Anwesen durch private Hände übernommen und prachtvoll saniert. Es beherbergt ein Restaurant, ein Hotel und ein Museum für Militärgeschichte.

 

Taddenhof bei Rubinen - Tadenava bei Rubeni, Kurland - lettland

Bei dem dargestellten Herrenhaus handelt es sich vermutlich um das Holzherrenhaus in Tadenava (dt.: Taddenhof), das zwischen Dunava (dt. Dunau) und Rubeni (dt.: Rubinen) ca. 50km südöstlich von Jekabpils (dt.: Jakobstadt) zwischen der Daugava (dt.: Düna) und der Grenze zu Litauen liegt. Dieses Herrenhaus wird heute als Museum für den berühmten lettischen Dichter Janis Plieksans (Rainis) (1865 – 1929) genutzt. Weitere Einzelheiten zum Gut oder Gutshaus ließen sich nicht ermitteln. Bei der dargestellten Kirche handelt es sich um vermutlich um die Kirche von Dunava.

 

Terweten, Hofzumberge - Tervete, Kalnamuiza, Kurland - Lettland

Tervete (dt.: Terweten) liegt ca. 30km südöstlich von Jelgava (dt.: Mitau) und ca. 10km von Zalenieki (dt.: Grünhof) entfernt. Am Ort haben sich wohl mehrere Burganlagen befunden. U.a. befand sich hier eine der letzten Verteidigungsanlagen der Semgallen, bevor die durch den Orden erobert und zerstört wurde. Im Jahre 1339 wurde an dieser exponierten Lage eine neue Burg aus Stein zur Verteidigung gegen Litauer errichtet. Schon 1345 wurde die Burg durch Litauer erobert und zerstört. Erst im 16. Jh. wurden die Mauern zum Bau eines Jagdschlosses genutzt. Die Burg war in viereckiger Kastellform mit Ecktürmen angelegt worden. Von der ursprünglichen Burg ist nichts mehr erhalten. Nur der große Erdwall existiert noch. Zur Erinnerung an den Freiheitskampf der Semgallen wurde in jüngerer Zeit eine Holzburg als Attraktion errichtet.

 

Wahrenbrok - Varenbrok, Kurland, Lettland

Über das ehemalige Gut südwestlich von Jekabpils (dt.: Jacobstadt) lassen sich folgende Fakten ermitteln: von 1720 bis 1723 war das Gut im Besitz der Adelsfamilie Klüchtzner. Im 17. Jh. gehörte das Gute der Familie Taube. Später war das Anwesen ein Teil der Besitzungen der Familie Behr. Das Gut wurde durch Georg von Behr (1857 – 1924) bis nach der Landreform verwaltet. Nach der Reform 1020 verblieben ihm nur kleine Reste des einst mächtigen Gutes. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Herrenhaus Sitz eines Landwirtschaftsbetriebes mit Büros, Bibliothek, Theater und Gesellschaftsräumen. Kurzzeitig war hier auch eine Schule untergebracht. Schließlich wurde das ehemalige Herrenhaus als Wohnhaus genutzt. In den 1980er wurde die Nutzung ganz aufgegeben. Seitdem verfällt das Haus. Das Gutshaus wurde als Holzhaus im klassizistischen Stil in der ersten Hälfte des 19. Jh. erbaut. Später wurde es durch einen Backsteinflügel erweitert. Heute ist das Gebäude nur noch eine Ruine.

 

Waldeck bei Mitau - Valdeka in Jelgava, Kurland, Lettland

Das Schlösschen im romanisch-gotischen Stil aus dem 17. Jh. liegt am nordöstlichen Rand von Jelgava an der Rigaschen Strasse 22 und war ursprünglich ein Jagdschloss. Der Besitzer war Baron von der Recke. Im 19. Jh. wurde das Schloss umgestaltet. Heute ist das Anwesen im Besitz der Lettischen Universität für Landwirtschaft.

 

Wandsen - Vandzene, Kurland, Lettland

 

Bis 1704 gehörte das Gut der Familie von Torck. Von 1730 bis 1849 war es im Besitz der Familie von Fircks. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Herrenhaus im klassizistischen Stil mit großem Portikus der von vier ionischen Säulen getragen wird, erbaut. Von 1849 bis 1920 gehörte das Gut in den Besitz der Familie Baron von Heyking. 1920 erfolgte die Enteignung. Ein deutscher Offizier, der im I. Weltkrieg in dem Gutshaus einquartiert war, soll eines nachts die Ereignisse aus dem Jahr 1920 vorhergesehen haben. Er träumte, wie in dem Herrenhaus Möbelstücke herumgerückt und ausgeräumt wurden. Er deutete das als große Veränderungen, die dem Hause bald bevorstehend werden. Damals wurde ihm, so die Baronin von Heyking später, kein Glaube geschenkt. Seit 1937 wird das ehemalige Herrenhaus als Schule von Vandzene genutzt.

 

Wiexeln - Viksele, Kurland, Lettland

1566 erfolgte die Verleihung des Dorfes Wietzell an Wilhelm von Landsberg (ein Ritter des Deutschen Ordens). Die Familie besaß Wiexeln bis in die Mitte des 19. Jh. Mit Friedrich Karl auf Wiexeln starb der letzte männliche Nachkomme. Schon zu Lebzeiten übertrug er seiner Tochter Jenny Mathilde das Gut. Jenny war mit Johann von Stromberg verheiratet. Ihr Sohn Baron Oswald von Stromberg verkaufte das Gut an Baron Leo von Hahn. 1906 ging das Gut an Baron Karl von Oelsen und danach im I. Weltkrieg an Viktor von Behrens. Der behielt das Gut bis zur Enteignung in den 20er Jahren. Das Gutshaus wurde nach praktischen Gesichtspunkten erbaut und folgt keinem bestimmten Baustil. Dennoch handelte es sich um einen ansprechenden Bau. Über die genauere Geschichte und den heutigen Zustand des Gutshauses ist nichts bekannt.

 

Windau - Ventspils, Kurland, Lettland

Schon Anfang des 13. Jh. war auf dem Stadtgebiet eine Ansiedlung bekannt. Seit 1378 hatte Windau Stadtrecht und gehörte zeitweise der Hanse an. In der Zeit von Jakob Kettler um 1650 war die Stadt ein Zentrum des Handels und des Schiffbaus. Im Großen Nordischen Krieg wurde Windau zerstört. Durch Seuchen und Krieg fiel die Stadt in die Bedeutungslosigkeit. Erst Mitte des 19. Jh. wurde Windau wieder als Hafenstadt bekannt. Im I. und II. Weltkrieg war Windau zeitweise von Deutschen besetzt. Zu Sowjetzeiten war Ventspils durch den Anschluss an eine Ölpipeline eine wichtige Hafenstadt für die damalige UdSSR. Die an der Venta in unmittelbarer Nähe des Hafens von Ventspils gelegene Ordensburg wurde bereits 1290 erwähnt und wurde vermutlich Mitte des 13. Jh. erbaut. Somit ist sie eine der ältesten erhaltenen Burganlagen Lettlands. Im 15. Jh. wurde die Burg stark ausgebaut. Von 1832 bis 1959 diente die Anlage als Gefängnis. Danach wurde sie durch Sowjetisches Militär bis 1983 genutzt. Heute beherbergt die in den 1990er Jahren sorgfältig restaurierte Burg das Stadtmuseum und gilt als Beispiel guter Restaurierungsarbeit.

 

Zierau - Cirava, Kurland, Lettland

Zierau (lett.: Cirava) im Kurland war zeitweise Residenz der kurländischen Bischöfe. Im Jahr 1602 wurde das Gut durch Sigismund III. an den Kammerherrn Hermann von Maydell verliehen. Als Erbe ging es an Ewald von Behr. Dieser verstarb 1750. Seine Witwe ließ ein neues Herrenhaus errichten. Hermann Friedrich von Behr besaß danach das Gut bis 1782. Sein Schwiegersohn Baron Karl Manteuffel-Szöge auf Katzdangen folgte als Besitzer. Bis zur Enteignung bewirtschaftete die Familie Manteuffel das Gut. Letzter Herr auf Zierau war Leon von Manteuffel. Nach der Enteignung wurde es bis 1951 als Forst- und danach als Landwirtschaftsschule genutzt. Heute steht es leer. Es gab zwischenzeitlich Pläne, in dem Schloss ein Hotel einzurichten. Teile der Innenausstattung sollen erhalten geblieben sein. Das Herrenhaus von Zierau war ursprünglich ein Beispiel für den schlichten baltischen Baustil, wurde aber um 1868 stark im Tudorstil durch den Architekten Theodor Zeiler gotisiert und erweitert. Pirang redet hier von einem „Verpfuschen“ des originalen Stils.