Lost Places & Unlost Places  Baltikum

Livland (Lettland, Estland) T - Z

Tammist - Tammistu, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Tammist (estn.: Tammistu) liegt ca. 15 km nördöstlich von Tartu (dt.: Dorpat). Es wurde um 1730 vom Gut Kawast (estn.: Kavastu) abgetrennt und war bis 1770 im Besitz der Familie von Brömsen. Vorher war es im Besitz eines Oberst Schwenghelm, der es verpfänden musste. Danach ging es in den Besitz der Familie von Rehbinder über. Schon 1779 erwarb die Familie vom Gustav von Krüdener das Anwesen. Hier verblieb es bis 1859. Nun folgten kurz hintereinander mehrere Besitzerwechsel: 1859 Baron Carl Bruiningk, 1867 Benjamin von Liphardt, 1874 Eduard von Walter. Von 1880 bis zur Bodenreform 1919 verblieb der Besitz in der Familie des Gustav von Rathlef. Das kleine, wohlproportionierte Herrenhaus im klassizistischen Stil wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. erbaut. Es wurde wohl später als Pflegeeinrichtung genutzt. Nach der Wende in den 1990er Jahren stand es leer und verfiel. Heute ist es im Besitz einer Eigentümergemeinschaft, die das Haus zu einem Hotel- und Tagungszentrum umbauen ließ. Die Sanierungsarbeiten waren 2016 gerade abgeschlossen.

 

Taurup - Taurupe, Livland, Lettland

Taurupe (dt.: Taurup) liegt ca. 40 km südöstlich von Sigulda (dt.: Segewold). Das Gut war im Besitz vieler namhafter Familien: von der Pahlen bis 1694, von Rosen bis 1742, von Buddenbrocks 1780, von Wolff bis 1784, von Grott und danach Familie von Transehe. Das Herrenhaus wurde bereits um 1724 erbaut aber ca. 1900 nach Plänen von Wilhelm Bockslaff komplett im neogotischen Tudorstil umgebaut. Der Besitzer zu jener Zeit war die Familie Transehe. Baron von Transehe wurde während der chaotischen Verhältnisse um 1905 durch Aufständige erschossen und das Schloss geplündert und durch Brandlegung verwüstet. Bei dem folgenden Wiederaufbau gingen fast alle architektonischen Details verloren. Ab 1938 wurde das Schloss als Schule genutzt. Nach einem Brand zu Sowjetzeiten wurde das Dach zerstört. Im Zuge der Restaurierung wurde ein dritter Stock hinzugefügt. Heute ist das Schloss hervorragend saniert und beherbergt eine Schule. Die ursprünglichen Tudorelemente wurde dem dreistöckigen Gebäude mit Bedacht wieder hinzugefügt.

 

Burg Treyden, Treiden - Tureida, Livland, Lettland

Die 1214 durch Bischoff Albert erbaute Burg Treyden liegt hoch über dem Fluss Gauja (dt.: Aa) in der Livländischen Schweiz. Schon zuvor gab es ganz in der Nähe eine Befestigung der Liven, die jedoch um 1212 zerstört wurde. Von 1405 bis 1417, 1479 bis1485 und 1556 war die Burg in der Hand des Ordens und wurde durch ihn verwaltet. Danach ging sie an die Livländische Ritterschaft. Im 16. Jh. erreichte ihr wehrafter Ausbau seinen Höhepunkt. 1601 wurde die Anlage von Schweden erobert. 1625 verlieh König Gustav Adolf sie an Niels Sternenschild. Sein Sohn verkaufte sie 1652 an den Landrat Gotthard Wilhelm von Budberg. Das Anwesen blieb bis 1818 im Besitz der Familie bis der Geheimrat Baron Balthasar Campenhausen es kaufte. In der Familie Campenhausen verblieb die Burg bis zur Enteignung in der Familie. Letzter deutscher Besitzer war ein Neffe der Familie, Baron Alexander Stael von Holstein. Bis in das 18. Jh. war die Burg bewohnt, wurde aber 1776 durch ein Großfeuer zerstört. Der mächtige Turm und einige Mauerreste blieben erhalten. 1953 wurde die Anlage rekonstruiert und dient heute als Museum und Park. Heute ist die aufwändig rekonstruierte Burg eines der beliebtesten Ausflugsziele in Lettland.

 

Waimel - Väimela, Livland, Estland

Die Gutsanlage von Väimela (dt.: Waimel) liegt nur 5 km nördlich von Voru 8 (dt.: Werro) entfernt. Der Hof wird bereits um 1580 erstmals erwähnt. Ab 1743 war das Gut durch Schenkung der Kaiserin Elisabeth im Besitz der Familie von Graf Alexej Bestuschew-Rjumin, die es 1749 an Charlotte Amalie von Müller (geb. Schilling) verkaufte. Von dieser Familie ging es 1759 an die Familie von Carl Gustav von Schulmann. 1775 verkaufte diese das Gut an Baron Berend Otto von Rehbinder. Ab 1791 war der Besitz in der Hand der Familie von Richter, die ihn aus einem Konkurs erwarb. Seit 1870 war das Anwesen im Besitz der Familie von Carl von Löwen. Letzter Besitzer war Bernhard von Löwen. Nach den Umbrüchen 1919/1920 wurde in dem Schloss eine Landwirtschaftsschule eingerichtet. Heute befindet sich die etwas verwahrloste Anlage im Besitz des Berufsausbildungszentrums von Voru (dt.: Werror) und schien leer zustehen. Das ursprüngliche klassizistische Herrenhaus mit seinen Seitenflügeln wurde durch Magnus von Richter 1802 erbaut und war zunächst eingeschossig. In den Seitenflügeln war die Dienerschaft untergebracht. Die noch heute erhaltenen Wirtschaftsgebäude bilden zusammen mit dem Schloss eine geschlossene Einheit. 1919 brannte das Anwesen durch Brandstiftung aus. 1922 wurde das Herrenhaus wiederaufgebaut aber dabei stark umgestaltet. Ein erneuter Brand 1950 führte zu weiteren Umbauten an dem ehemaligen Herrenhaus. Der Park hinter der Gutsanlage wurde im 18. Jh. angelegt.

 

Waldenrode - Zakumuiza, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut Waldenrode (lett.: Zakumuiza) liegt zwischen Riga und Sigulda (dt.: Segewold). Es war im Besitz der Familie von Friedrich von Wolff. Das einstige Herrenhaus wurde mit einer modernen Infrastruktur nach Entwürfen eines Berliner Architekten im 19. Jh. im neoklassizistischen Stil erbaut. Charakteristisch für das Schloss war der viereckige Turm mit einer barocken Dachkuppel. Nach und nach wurden in der Nachbarschaft des Haupthauses Nebengebäude z.B. im Jugendstil errichtet. Das Herrenhaus wurde im I. Weltkrieg durch ein Feuer zerstört, dass durch die defekte Heizungsanlage ausgelöst wurde. Zum Gut gehörten noch diverse weitere Gebäude, von denen bis heute einige erhalten sind, und ein Park.

 

Welketa - Välgita, Livland, Estland

Das kleine, archaische Holzherrenhaus von Välgita (dt.: Welketa) liegt ca. 15 km nördlich von Viljandi (dt.: Fellin). Das Gut wird das erste Mal um 1599 erwähnt. Um 1624 wird Jacob de la Gardie als Besitzer erwähnt. Von 1890 bis zur Reform war die Familie von Hans Mitt der Besitzer. Das noch heute erhaltene Herrenhaus im Barockstil gehört zum ältesten Typus in Livland und entstand im 18. Jh. Das hohe Dach war ursprünglich strohgedeckt. Das Haus entstand vor dem großen Bauboom im 18. Und 19. Jh. in Livland. Vor der Entstehung der repräsentativen Herrenhäuser war dieser Haustyp häufig anzutreffen. Bei verschiedenen Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen gingen innen und außen einige Barockelemente verloren. Das leerstehende Haus gehörte lange Zeit der Gemeinde von Viljandi und wurde 2003 an private Hände verkauft.

 

Burg Wenden - Cesis, Livland, Lettland

Der Name des Ortes Wenden am Ufer der Gauja (dt.: Livländische Aa) geht auf den Stamm der Wenden zurück die bereits im 11. und 12. Jh. in der Nähe der späteren Burg eine Befestigung errichteten. Ritter vom Schwertbrüderorden errichteten hier um 1209 eine feste Burg. Die Anlage den ursprünglich fünf Türmen war von 1237 bis 1561 Sitz des Meisters des Deutschen Ordens. Bei der Belagerung durch Iwan IV. dem Schrecklichen 1677 sprengte sich die Burgbesatzung unter Heinrich Boismann mit der Burg in die Luft.  Damit wurde die Burg zum Symbol für den Widerstand gegen fortwährende Gefahren. Danach wurde die Festung durch Polen eingenommen. Um 1627, zur Zeit des Polnisch – Schwedischen Krieges gehörte die Anlage der Familie Oxenstierna. Nach dem Wiederaufbau bestand die Burg noch bis 1703, wurde aber im Großen Nordischen Krieg durch russische Truppen unter dem Marschall Scheremetjew vollkommen zerstört. 1747 ging das Gut Wenden an den Reichskanzler Graf Bestuschew-Rjumen und wurde 1755 an die Familie des Sekretär Gottlieb Johann Wolff verkauft. 1777 wurde das Gut durch Karl Eberhard von Sievers übernommen, der an die Ostseite der Burgreste ein Schloss errichtete. Bis 1920 blieb das Schloss und Gut im Besitz der Familie Sievers. Bereits vor dem I. Weltkrieg begannen erste archäologische Untersuchungen und Restaurierungsmaßnahmen an der Burg.

 

Schloss Wenden - Cesis, Livland, Lettland

Das neue Schloss Cesis (dt.: Wenden) wurde 1777 als integraler Bestandteil der Burganlage am Ort einer Torwache durch Karl Eberhard von Sievers errichtet. Das Schloss mit seinem neogotischen Turm gilt als Beispiel des Eklektizismus der Gutshausarchitektur in Livland. Das Anwesen war bis 1919 im Besitz der Familie von Sievers. Von 1920 bis 1940 wurde es von der lettischen Armee besetzt. Nach dem II. Weltkrieg wurden zunächst Wohnungen in dem Gebäude eingerichtet. Ab 1949 erfolgte die Nutzung als Museum für Geschichte und Kunst. Nach der Restaurierung in jüngster Zeit erhielt das Gebäude das ursprüngliche Aussehen aus dem 18. Jh. wieder. Zu dem Schloss gehört ein Park, der 1812 angelegt wurde. Geheimschrift auf Karte von 1903: "Liebes Fräulein Elly! Haben Sie meine letzten Briefe erhalten? Warte sehr auf Antwort, Ihr treuer Edgar"

Wesselshof - Veselava, Livland, Lettland

Das Gut Wesselshof (lett.: Veselava) östlich von Cesis (dt.: Wenden) wurde durch den Zusammenschluss verschiedener Güter um 1602 durch Peter Wesselowsky erschaffen. Auf dessen Name geht auch die Gutsbezeichnung zurück. 1744 wurde das Gut durch Zarin Katharina an Baron Trubeckoy verschenkt. Später übernahm seine Tochter Anna Narischkina das Anwesen. Diese verkaufte es an von Bruinigk. Dessen Sohn verkaufte das Gut an Rosenkamp. Bereits 1797 wurde das Gut an den Geheimrat Balthasar von Campenhausen weiterverkauft. Von ihm erbte das Gut 1801 Christoph Joseph von Campenhausen. Dessen Erbe war Baron Teophil von Campenhausen. Danach ging es an seinen Sohn Balthasar. Der letzte Besitzer vor den Umstürzen war dessen Sohn Aurelius bis 1922. Danach wurde das Gut in viele kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgeteilt. Das Herrenhaus Wesselshof entstand 1840 in einem für die Gegend untypischen Stil auf einer Insel. Das Gutshaus mit seinen Nebengebäuden ahmte wohl eine Festungsanlage nach.  Heute ist das Gebäude sehr gut saniert und beherbergt neben der Gemeindeverwaltung und der Bibliothek auch eine Bank und eine Postfiliale.

 

Wesslershof - Vesneri, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Wesslershof liegt in nordöstlicher Richtung von Tartu (dt.: Dorpat). Es wurde im 16. Jh. das erste Mal erwähnt. Der Besitzer war Diedrich Wessler, der dem Gut auch den Namen gab. 1595 war der Hof wohl verlassen und wurde durch König Sigismund III. an den Dorpater Prediger Christian Schrapfer. Ab 1673 gehörte das Gut dem Bürgermeister von Dorpat, Andreas Fritzberg. Im weiteren Verlauf gehörte das Gut durch Erbschaft bis 1753 der Familie Gyllenschmidt. Danach wird Baron Georg Gustav Wrangell (ab 1753), General Wilhelm Theodor von Schultz (1783), Oberstleutnant Otto von Oettingen (ab 1808) und die Familie von Stryk (ab 1842) als Besitzer angegeben. Der letzte Besitzer ab 1890 bis zur Enteignung 1919 war Ernst Heinrich von Stryk. Das eigentliche Herrenhaus wurde durch Heinrich von Stryk um 1840 im klassizistischen Stil vermutlich nach Entwürfen von Emil Julius Strauss erbaut. Das einstöckige Herrenhaus mit zweistöckigem Mittelrisalit und ionischen Pilastern existiert nicht mehr. Es wurde vermutlich im II. Weltkrieg zerstört. Erhalten sind noch eine zweistöckige Villa, ein Park und Nebengebäude.

 

Wircken, Würcken bei Rujen - Virkeni bei Rujiena, Livland, Lettland

Das Land bei Rujiena (dt.: Rujen) wurde durch den Ordensmeister Plettenberg 1522 an einen Kuddelin gegeben. Wirken gehörte 1599 einem Nikolaus Kuddelin. Im Jahre 1631 wurde das Gut von König Gustav Adolf an den Leutnant Michael Engelhard verliehen. 1809 war der Besitz immer noch im Besitz der Familie (Leutnant Anton Johann von Engelhard). Der letzte Besitzer wurde angeblich indirekt mit dem Anschlag auf den russischen Zaren Alexander III. (geheimnisvolle Zugentgleisung auf der Fahrt von Charkow nach Rostow am 29. Oktober 1888) in Verbindung gebracht und floh ins Ausland. Das Gut mietete sein Neffe Gustav Bergson (1860 – 1931). 1920, nach der Enteignung wurde eine Landwirtschaftsschule in dem Gebäude eingerichtet. 2008 wurde das recht gut erhaltene Gebäude verkauft. Zur Entstehungsgeschichte des Gutshauses ließen sich keine Fakten ermitteln.

 

Wollust, Heiligensee - Pühajärve, Livland, estland

Wollust wurde erstmals 1376 im Zusammenhang mit dem dortigen Gut der Uexküll erwähnt als das Gut an Hermann und Otto Uexküll verliehen wurde. Der Ort wurde später einer Legende folgend in Heiligensee umbenannt, da sich am Ufer des Sees eine heilige Linde befunden haben soll. 1417 ging das Gut an die Kinder von Hermann. Die Besitzer wechselten im weiteren Verlauf oft, so waren Besitzer unter anderen die von Rehbinder, von Stackelberg, von Samsonite und de Villebois-Stryk. Kurzzeitig war das Gut im Besitz der Familie Rennenkampff (1742-1749). Von 1858 bis 1868 lebte hier Alexander von Schrenk. Danach werden bis zur Reform die Familien Sievers und von Hoffman angegeben. Das ursprüngliche Herrenhaus wurde einstöckig 1800 im frühklassizistischen Stil errichtet. Es wurde 1887 durch das neue Gebäude im eklektizistisch-historistischen Stil ersetzt. In den 1920er Jahren war das Herrenhaus ein Hotel und ein beliebtes Ferienziel für estnische Künstler und Naturliebhaber. Später wurde es als Sanatorium genutzt. Es wurde August 1944 im II. Weltkrieg weitgehend zerstört, jedoch 1951 als Sanatorium wiedererrichtet. 1999 wurde das Anwesen zu einem Hotel restauriert und ausgebaut. Das Anwesen ist umgeben von einem Park mit zahlreichen Alleen, Baumgruppen und Pavillons. Vom heutigen Hotel und Wellness-Zentrum bietet sich ein Panoramablick auf den See Pühajärv.

Burg Wolmar, Wolmeera - Valmiera, Livland, Lettland

Die Burg Wolmar wurde ca. 100 km nordöstlich von Riga am Ufer der Aa (lett.: Gauja) bereits zu Beginn der Eroberung Livlands durch den Orden errichtet. Es folgten später immer wieder Ausbauten. Die Stadt mit seiner Kirche entstand erst später. Wolmar erhielt seinen Namen durch den bischöflichen Vogt Woldemar. Die Stadt war vom 14. Bis zum 16. Jh. Mitglied der Hanse. Wolmar wurde mehrfach durch Schweden, Polen und Russen erobert. Die Burg wurde im großen nordischen Krieg 1702 durch Russen weitestgehend zerstört. Es sind nur noch wenige Mauerreste erhalten geblieben. Die Stadtmauer war urpsprünglich mit der Burg verbunden. Valmiera wurde im II. Weltkrieg stark zerstört, so dass von der alten Bausubstanz so gut wie nichts mehr erhalten blieb.

 

Wolmarshof - Koo, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Wolmarshof (estn.: Koo) liegt ca. 10 km westlich von Poltsamaa (dt.: Oberpahlen). 1670 wurde es von Freiherr Wolmar Wrangell auf Lindeberg, dem Besitzer von Oberpahlen (estn.: Poltsamaa) gegründet und erhielt auch so seinen Namen. Der Besitz wurde Kronsgut. 1772 übergab Katharina II. die Große den Besitz an General Hans Heinrich von Weymarn. Hier verblieb es bis 1792. In dieser Zeit entstanden die meisten Gutsgebäude. Es folgten verschiedene Besitzer. 1914 bis 1920 wurde eine Landwirtschaftsschule eingerichtet und später ein Landwirtschaftsbetrieb. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz und steht leer. Das barocke Ensemble stammt aus der Zeit um 1774. Die weiteren, noch heute erhaltenen Wirtschaftsgebäude kamen in den Folgejahren hinzu.