Lost Places & Unlost Places  Baltikum

Livland (Lettland, Estland) R - S

Rappin - Räpina, Livland - Estland

1625 wurde das Gut durch den König Gustav Adolf dem Stallmeister und späterem Generalgouverneur von Livland, Bengt Oxenstierna, verliehen. Durch die Güterreduktion fiel der Besitz an den Staat. Durch Peter I. wurde der Besitz 1717 an den General Graf Paul Jaguschinskij verliehen. Dieser verkaufte ihn an den Oberstallmeister Generalleutnant Carl Gustav Graf von Löwenwolde. Bis 1835 verblieben die Güter in Löwenwoldschem Besitz bis die Familie sie an Baron Gustav  Schoultz verkaufte. Schon 1836 ging es durch Verpfändung an den Landmarschall Gustav Eberhard von Richter. 1853 wurde der Besitz an den Landrat Peter Anton von Sivers verkauft. Bis 1920 verblieb es nun im Familienbesitz der von Sivers. Das dreigegliederte Gutshaus aus dem Jahr 1830 (andere Quellen gehen von 1853 aus) wurde entweder von E. von Richter oder von Peter Anton von Sivers erbaut und ist ein interessanter Vertreter baltischer Architektur, die sich an dem Stil des hellenisierenden Klassizismus orientiert. Die zerklüftete Struktur wurde mehrfach umgebaut und die Zwischenbauten angepasst und so mehr in den Gesamtbau integriert. Nach der Enteignung wurde das Gebäude als Schule genutzt. Das Gutshaus ist bis heute erhalten wurde prachtvoll restauriert. In den Räumen des Schlosses befinden sich heute die Gemeindeverwaltung und ein Museum.

 

Ratshof bei Dorpat - Raadi bei Tartu, Livland - Estland

Das Gut gehörte im Mittelalter ursprünglich dem Rat von Dorpat (daher der Name Ratshof). 1584 enteignete der polnische König Stephan Bathory das Gut und erkläret es zum Krongut. 1638 wurde es durch den nun herrschenden König Gustav Adolf II. an den Generalgouverneur Bengt Oxenstierna verpfändet.  Um 1669, nach dem Tod von Bengt und später seiner Frau ging es an den Generalmajor Hans von Fersen. Später bei der sogenannten Güterreduktion wurde das Gut eingezogen. 1726 wurde es durch Katharina II. dem Generalleutnant Iwan Iwanowitsch Bibikow geschenkt. Dessen Nachkommen verkauften es 1751 an den Garderittmeister Karl von Liphart. Im I. Weltkrieg war auf dem Gut ein Lazarett eingerichtet. Das Gut blieb bis zur Enteignung 1920 im Besitz der Familie. Die Familie Liphart brachte einige bedeutende Künstler und Kunstsachverständige hervor, die auch den Grundstein zur berühmten Kunstsammlung (Gemälde, Skulpturen, Schriften) im Schloss legten. Das Schloss wurde 1783 zunächst im spätbarocken Stil nach Plänen des französischen Architekten Fanguet erbaut und 1840 durch Elemente der italienischen Renaissance nach Entwürfen des italienischen Architekten Francesco Boffo vollendet. Der ehemalige Landschaftspark wurde durch den berühmten Landschaftsarchitekten Lenne gestaltet. 1901 wurde dem Zentralbau eine Kuppel hinzugefügt, die die gewaltige Bibliothek im Schloss krönte. Bis zur Enteignung beherbergte das Schloss eine der größten Kunstsammlungen von Livland. Zwischen 1922 und 1940 wurde das Schloss als estnisches Nationalmuseum genutzt. Danach wurde durch die sowjetische die Bedeutung des Museums herabgestuft, da die estnisch-nationale Ausrichtung den neuen Machthabern missfiel. 1944 brannte das Gebäude nach einem Bombenangriff der Roten Armee aus und ist seitdem nur noch eine Ruine. Es gibt Pläne des Estnischen Nationalmuseum das Gelände erneut zu nutzen und die Gebäude zu renovieren. Das neoklassizistische Torgebäude wurde bereits saniert.

 

Riga, Livland - Lettland

Riga, die Hauptstadt des einstigen Livlands und des heutigen Lettlands am Ufer der Daugava (dt.: Düna), wurde 1201 durch den Bischof Albert von Buxhoeveden gegründet. Der Livländische Orden hatte hier eine Burg. Der Orden war im ständigen Streit mit der einheimischen Bevölkerung. Dabei wurde die eigentliche Burg zerstört und der Orden zwang die Bevölkerung zum Neubau der heutigen Festung. Das Schloss wurde als Festung mit drei Etagen, einem inneren Hof und vier Türmen bereits durch den Livländischen Orden 1330 erbaut. Die Anlage war Sitz des Ordensmeisters. Nach dem Ende des Deutschen Ordens 1562 wurde die Burg durch die nun folgenden verschiedenen polnischen, schwedischen und russischen Machthaber genutzt. Die Anlage selbst verlor ihre Bedeutung als Festung. Im 18. und 19. erfolgten wesentliche Umbauten zu einem Schloss für die Provinzregierung. In der Zeit der ersten Unabhängigkeit Lettlands wählte der lettische Präsident ab 1920 das Schloss als Residenz. Zur Sowjetzeit wurden die Gebäude als Pionierpalast genutzt. Seit der Unabhängigkeit Lettlands ist das Schloss wieder Sitz des lettischen Präsidenten. Ferner sind hier Museen und andere kulturelle Einrichtungen untergebracht. Ein Feuer richtete im Jahr 2013 starke Schäden an. Das einfach gehaltene Schloss gilt als Beispiel für den Spätklassizismus.

 

Ringen - Rongu, Livland - Estland

Das Gut Ringen lag ca. 30 km südwestlich von Tartu (dt.: Dorpat) an der Straße von Tartu nach Valga (dt.: Walk). Das Gut gehörte im 15. und 16. Jh. der Familie Tödwen. Wilhelm Tödwen verlor das Gut im russischen Krieg. König Stephan Bathory übergab das Schloss dem Jesuiten Kolleg in Dorpat. Der Schwedenkönig Gustav Adolf gab das Anwesen 1625 an den Admiral Claus Gustav Flemming. Die russische Kaiserin schenkte 1759 das Schloss dem Senator Dmitrij Wolkow. Dieser verkaufte es 1766 dem Landrat Graf Ludwig Wilhelm Mannteuffell (auch: Manteuffel). 1820 ging das Gut durch Verkauf an Camill Alexander Basilius. Nach dessen Tod wurde 1858 das Gut durch Graf Gotthard Andreas Manteuffel übernommen. 1875 wurde das Gut erneut verkauft und ging an den Richter Konrad von Anrep. Das Schloss wurde um 1780 im frühklassizistischen Stil erbaut. Durch einen Brand 1917 wurde das Schloss zerstört. Es sind nach Internetangaben noch Grundmauern und Nebengebäude erhalten.

 

Ringmundshof - Rembate, Livland - Lettland

Das Gut an der Düna (lett.: Daugava) hieß einstmals Memershof und wurde 1560 dem Rigaschen Ratsherren Lorenz Zimmermann verkauft. 1595 verkaufte die Familie Zimmermann das Anwesen an Johann Ringenmuth. Hier wird auch wohl der Name des Gutes entstanden sein. Durch Gustav Adolf wurde Ringmundshof zusammen mit Lennewarden 1631 an Heinrich Wolf (später geadelt Wolffenschildt) vergeben. Aus dem Nachlass des Landrats Heinrich Erich von Wolffenschild ging das Gut 1770 an seinen Enkel Kapitän Baron Carl Gustav von Igelströhm. 1811 wurde das Gut durch die Majorin Elisabeth Anna von Stryck (geb. von Igelströhm) dem Obristen Friedrich Wilhelm von Stenger verpfändet. 1820 ging es dann an August Wilhelm von Lenz. Schon 1831 wurde es an den Gardeleutnant Carl Heinrich Berens von Rautenfeld verpfändet. Das Herrenhaus Ringmundshof mit seinem imposanten Säulenportikus wurde im spätklassizistischen Stil mit Elementen antiker Villenarchitektur erbaut. Der polygonale Turm wurde der Neorenaissance angelehnt. 1905 wurde das Schloss durch Brand zerstört aber bis zum I. Weltkrieg durch Wilhelm Roman Roessler (1878 – 1949) wieder restauriert. Das Gebäude wurde im I. Weltkrieg komplett zerstört. Der um 1858 angelegte Park blieb erhalten und ist nun unter Naturschutz gestellt.

(Das zweite Foto wurde freundlicherweise durch Justus Worbs bereitgestellt - www.justusworbsfilm.de)

 

Rodenpois - Ropazi, Livland - Lettland

Ropazi (dt.: Rodenpois liegt ca. 35km nordwestlich von Riga am Fluss Jugla (dt.: Jägel). Der Ort wird bereits 1205 erstmals urkundlich erwähnt. Im Ort existierte eine Ordensburg, die um 1558 zerstört wurde und von der nur noch Reste erhalten blieben. Das Gut Rodenpois war ab 1751 im Besitz des Geheimrats Baron Johann Christoph Campenhausen. Seine ältere Tochter Catharina Dorothea vermählte sich mit dem Landrat Friedrich von Berg auf Erlaa und nahm das Gut mit in die Familie von Berg, in der es bis 1835 verblieb. Danach ging es in die Hände der Baronin Henriette Taube, geb. von Berg. 1855 wurde das Gut an Baron Viktor Wolff verkauft. Der letzte Besitzer war ab 1889 Baron James Wolff. Das Herrenhaus wurde 1762 erbaut. Spätere Anbauten aus dem 19. Jh. wurden aus Stein errichtet aber mit Holz verschalt, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Nach Internetangaben wurde das Herrenhaus zu Sowjetzeiten abgerissen.

 

Rogosinsky - Rogosi, RuusmäE, Livland - Estland

Das Gut Rogosi (dt.: Rogosinsky) liegt im Ort Ruusmäe ca. 30 km südlich von Voru (dt.: Werro) und wurde erstmals 1591 erwähnt. Es gehörte ursprünglich der Familie Wernicken.  Von 1603 bis 1629 war der polnisch stämmige Stanislaw Rogosinsky, der dem Gut auch den Namen gab, der Besitzer des Gutes. 1629 wurde Hermann von Liebsdorff Besitzer des Anwesens. 1776 gehörte es Gustav Berend von Glasenapp. In der Familie Glasenapp verblieb das Gut bis zur Enteignung 1919. Letzter deutscher Besitzer war Viktor von Glasenapp. Er führte ein verbliebenes Restgut (Neu-Rogosinsky) noch bis 1929. Zur selben Zeit stand das eigentliche Herrenhaus geplündert leer. Seit 1934 beherbergte das Anwesen eine Schule und später zu Sowjetzeiten die Büros eines Landwirtschaftsbetriebes. Der Gutshof wurde wie eine Burganlage mit vierseitiger Ummauerung vermutlich Ende des 16. Jh. – Anfang des 17. Jh. angelegt. Es wird vermutet, dass die Form auf eine ältere Festungsanlage am gleichen Ort zurückgeht. Das heutige Aussehen geht auf Glasenapp am Ende des 18. Jh. zurück. Das barocke Herrenhaus wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. gestaltet. 1989 bis 2009 wurde das komplette Anwesen nach und nach restauriert. Heute sind eine Schule, ein Kindergarten, eine Bibliothek und weitere kulturelle Einrichtungen auf dem Gelände untergebracht.

 

Burg Ronneburg - Rauna, Livland - Lettland

Die Ronneburg (lett.: Raunas Pils) östlich von Cesis (dt.: Wenden) an der Handelsstraße nach Pleskau (russ.: Pskow) wurde bereits 1262 zunächst als provisorische Befestigung begonnen. In verschiedenen Bauperioden wurde die Anlage erweitert. Im 14. Jh. wurde sie auf Grund innerer Spannungen im Land stark befestigt und erhielt im 15. Jh. feuerwaffentaugliche Wehrtürme. Nach dem Livländischen Krieg verlor sie jedoch gegenüber der Burg Wenden (lett.: Cesis) an Bedeutung. Im II. Nordischen Krieg 1655 -  1661 zwischen Polen, Schweden und Litauen wurde die Burg zerstört. Nur die Mauern des Haupthauses haben die Zeiten überdauert.

 

Roop - Straupe, Livland - Lettland

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Salisburg - Mazsalaca, Valkenberga, Livland - Lettland

Der Ort Mazsalaca (Salisburg) liegt ca. 50 km nordwestlich von Valmiera (dt.: Wolmar). Schon um 1224 wurde die Gegend von Deutschen besiedelt. Das am Seeufer gelegene Gut wurde erstmals 1528 erwähnt. 1631 gehörte das Gut Conrad und Melchior Falckenberg. Aus diesem Namen ergab sich der auch heute noch verwendete lettische Name für das Schloss „Valkenberg“. Das eigentlich zweigeschossige Schloss wurde im klassizistischen Stil um 1780 nach Plänen des Dresdener Architekten Krubsacius erbaut und zeigt die Sympathie zum damals in Sachsen populären „Zopf-Stil“ (Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. „Zopf“ für 1. Altmodisch oder 2. Bezug zu Blattornamenten und Girlanden). Von seiner Gestaltung passt das Gebäude überhaupt nicht nach Livland und zeugt nach Pirang von der Ortsunkundigkeit des Planers. Der Auftraggeber war der Geheimrat Gustav Georg von Völkersahm, der mit der Gräfin Riesch aus Sachsen verheiratet war. Der Bruder, Graf Riesch, besaß das Schloss Neschwitz bei Bautzen. Das Schloss gilt als eines der schönsten in Sachsen und wurde ebenfalls von Krubsacius 1775 erbaut. Zwischen Salisburg und Neschwitz herrschten enge Familienbande. Die Tochter von Gustav Georg, Juliane Marianne, war mit Reinold Johann Peter von Vietinghoff verheiratet. Das Gut blieb bis zur Enteignung im Besitz der Familie Vietinghoff. Der letzte Herr auf Salisburg war Freiherr Oscar von Vietinghoff. Während der Unruhen 1905 brannte das Schloss aus. Noch bis 1919 kümmerten sich die Familie Vietinghoff um das Gut, verzichtete jedoch auf das angebotene Restgut und wanderte schließlich aus. Bereits 1925 wurde mit dem Wiederaufbau des Schlosses zur Nutzung als Schule begonnen. Das Mansarddach wurde dabei als zusätzliche Etage ausgebaut. Im II. Weltkrieg wurde das Schloss beinahe durch die Wehrmacht gesprengt. Das Gebäude konnte nach dem II. Weltkrieg weiterhin als Schule genutzt werden. Um 2000 wurde das Gebäude komplett saniert. Heute wird das prachtvolle Anwesen immer noch als Schule und Museum genutzt. Zu dem Schloss gehören noch einige Nebengebäude und ein Park.

 

Sauk, Sauck - Sauga, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Sauk liegt nahe der Stadt Pärnu (dt.: Pernau) an der westlichen Küste des heutigen Estlands. Es wurde das erste Mal um 1560 erwähnt und gehörte lange Zeit der Stadt Pernau (estn.: Pärnu). Seit 1920 bis in das Jahr 1990 war das Gut Teil militärischer Anlagen. Zu Sowjetzeiten war hier ein Militärflughafen. Nach der Wende 1990 wurde das Gelände verlassen. Seitdem steht das Herrenhaus leer und verfällt. Das neoklassizistische Herrenhaus mit seinem zweistöckigen Mittelbau und den ausladenden einstöckigen Seitenflügeln stammt aus dem Jahr 1849. Das Herrenhaus ist heute eine Ruine.

 

Saussen - Sausneja, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut Saussen liegt ca. 20 km nördlich von Jekabpils (dt.: Jakobsstadt) war von 1452 bis 1625 im Besitz der Familie Thiesenhausen.  Danach ging es in den Besitz der Familie des Oberst Johann Steiff von Lauenstein. Durch Heirat und Erbschaft war danach die Familie von Mengden. 1831 wurde das Gut an Eduard Magnus Kreusch verkauft. Das Herrenhaus wurde 1858 erbaut. Während der Umstürze um 1905 brannte es aus und wurde wieder renoviert um als Schule zu dienen. Im II. Weltkrieg wurde es zerstört oder abgerissen.

 

Sawensee - Saviena, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut liegt in der Mitte von Lettland ca. 15 km nordöstlich von Jekabpils (dt.: Jakobstadt). Es gehörte bereits zur Zeit der polnischen Herrschaft einer Familie Wagner. Von Siegesmund III. wurde 1590 der Besitz einem Christian Wagner bestätigt. 1636 ging das Gut durch Verpfändung an den Kapitän Abraham Larson Hirsch. 1639 wurde das Gut durch eine Catharina Wagner wieder eingelöst. Diese war mit Sten Paulson verheiratet. Seine Erben Gabriel und Idran Rutenskiold verkauften Sawensee an den Ratsherren Casper Snepperling aus Kokenhusen. Nach seinem Tod ging das Gut an die Krone und wurde 1660 an den Assistenzrat Johann von Helmersen gegeben. 1759 verkauft ein Nachkomme, Kapitän Magnus von Helmersen, das Gut dem Baron Reinhold Johann von Mengden. 1780 war es aber wiederum im Besitz von Magnus von Helmersen und verblieb in dessen Familie. Heute steht das Herrenhaus leer und verfällt.

 

Schöneck - Kartuzi, Livland, Lettland

Das kleine Herrenhaus liegt versteckt unweit von Sigulda (Seegwold) und dient heute als Wohnhaus.

1556 kaufte ein Hermann von Korthaus den Grund von Schöneck und vererbte es seinem Sohn Caspar. Es verblieb in der Familie bis 1675, bis es von König Carl XI.  anderweitig verpfändet wurde. Es folgten viele Besitzer u.a. Johann von Wieckeden, Caspar von Ceumern, Baron Johann AdolphClodt von Jürgensburg. Im Jahr 1855 kaufte Gotthard von Viettinghoff das Gut. Hier verlieb es wohl auch bis zum Schluss. Die befreundete Familie von Kori war hier zu Besuch. Die derzeitigen Besitzer wissen nichts über die Vorgeschichte.

 

Schwanenburg - Gulbene, Livland, Lettland

Schwanenburg liegt südlich der Linie Smiltene (dt.: Smilten) und Aluksne (dt.: Marienburg) im Norden Lettlands. Der Ort „Gulbana“ wird bereits 1224 erwähnt. Er erhielt später den Namen Schwanenburg. 1340 wurde in der Nähe eine Steinburg errichtet, die aber im Krieg gegen Russland 1577 zerstört wurde. Das Gut wurde 1763 durch Katharina II. dem Grafen Ernst Münnich verliehen, der auch das Schloss erbaute. 1788 wurde das Schloss Schwanenburg (auch „Weißes Schloss“) an seinen Sohn Burkhard Christoph von Münnich vererbt. 1789 gelangte der Besitz an Otto Herrmann von Vietinghoff und ging 1802 an Johann Gottfried von Wolff. Im 18. Jh. wurde das Schloss vom Enkel Rudolf Gottlieb Magnus von Wolff im Neorenaissancestil ausgebaut und durch dessen Sohn Johann Gottlieb Heinrich später nochmals zu einem der schönsten Schlösser Livlands erweitert. 1905 brannte der Südflügel des Schlosses ab, wurde aber wiederaufgebaut. Der Nordflügel wurde im II. Weltkrieg zerstört. Der restliche Teil des Schlosses ist noch erhalten. Die letzte Besitzerin vor der Enteignung war seit 1904 Baronin Dagmar Wolff. 2005 wurde mit der Restaurierung des Schlosses begonnen. Die zum Gutskomplex gehörende Manege beherbergt heute ein Hotel. Das Schloss Neu-Schwanenburg (auch „Rotes Schloss“) liegt etwas östlich vom alten Schloss und wurde durch Johann Heinrich Gottlieb 1875 nach dessen Vermählung für seine Frau Marissa von Oettingen errichtet. Heute dient das Schloss als Grundschule. Der prächtige Bahnhof von Gulbene ist einer der größten Lettlands und wurde 1926 nach Plänen des Architekten Peteris Feders erbaut. Gulbene war im II. Weltkrieg ein stark umkämpftes Gebiet. Der Bahnhof wurde 1944 vollkommen zerstört, konnte aber Dank der im Fundament aufgefundenen Zeichnungen durch deutsche Kriegsgefangene wiederaufgebaut werden.

 

Burg Segewold - Sigulda, Livland, Lettland

Die Burg an der Gauja (dt.: Livländische Aa), ca. 50 km nordöstlich von Riga gelegen, wurde als eine der ersten Festungsanlagen in Livland durch den Deutschen Orden um 1207 erbaut. 1226 wird sie das erste Mal urkundlich erwähnt. Von 1239 bis 1432 war die Burg Komtursitz. Die Burganlage wurde in den folgenden Jahren massiv ausgebaut. Der viereckige Torturm stammt aus jener Zeit. Im 16. Jh. wurde die Anlage im Livländischen Krieg von Polen besetzt. Um 1560 war die Burg erneut für kurze Zeit Komtursitz. Anfang des 17. Jh. wurde die Anlage von Schweden erobert. Der Verfall der Burg begann mit der Zerstörung durch russische Truppen im Großen Nordischen Krieg 1700-1721. Das Gebiet kam infolge des Krieges zum Russischen Reich und wurde nicht mehr aufgebaut. Im 19. Jh. wurde die romantische Burgruine ein beliebtes Ausflugsziel für die Oberschicht aus Riga. Ein beliebtes Ausflugsziel ist das malerisch gelegene Ensemble von Sigulda bis heute geblieben. Seit 1993 bewirtschaftet die Stadt Sigulda die Burgruine. Seitdem wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Im Sommer finden hier Festivals und andere Veranstaltungen statt.

 

Schloss Segewold - Sigulda, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut Segewold (lett.: Sigulda) hoch über dem Tal der Gauja (dt.: livländische Aa) und schräg gegenüber der Burg Turaida (dt.: Treyden) wurde 1622 an Hermann Waker verpachtet und 1737 durch die russische Zarin Anna an den Feldmarschall Lasci verschenkt. Seine Gemahlin erhielt das Gut 1761. Durch Erbschaft kam der Besitz an Graf Braun und später an die Gräfin von der Borch. Ende des 19. Jh. erhielt die Fürstin Kropotkina (geb. von der Borch) das Gut. Sie gab das neue, neogotische Schloss im Tudorstil in Auftrag. Es wurde von 1878 bis 1881 nahe der alten Burgruine von Sigulda und neben dem alten Herrenhaus aus Holz erbaut.  1937 wurden diverse Umbauten durchgeführt und der Turm des Schlosses erhöht. Nach der Unabhängigkeit Lettlands in den 1920er Jahren wurde das neue Schloss als Sitz der Lettischen Presseagentur genutzt. Zur Sowjetzeit war in dem Schloss ein Sanatorium untergebracht. Seit 1993 ist das Gebäude Sitz der Stadt- bzw. Bezirksverwaltung und beherbergt auch ein Museum.

 

Selsau - Dzelzava, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut Selsau liegt zwischen Madona (dt.: Madohn) und Gulbene (dt.: Schwanenburg) und war 1594 im Besitz von Jacob Weinecken. Das Gut führte den Namen Weinekenhof. 1600 wurde es durch den Sohn an Wilhelm Friedrich Taube zu Sesswegen (lett.: Cesvaine) verkauft. Nachdem einige Besitzerwechsel erfolgten, gelang das Gut 1724 in den Besitz von Otto Reinhold von Igelström. Sein Sohn, Baron Reinhold Johann von Igelström, verkaufte das Gut 1765 dem Mann seiner Schwester, Leutnant Otto Johann von Transehe. Baron Transehe begann nach dem Kauf, das Gebäudeensemble des Gutes Selsau in Kreisform anzulegen. Vermutlich verblieb das Gut bis zur Enteignung im Besitz der Transehes. Das Schloss wurde 1767 im barocken Stil erbaut und gilt als architektonisches Meisterwerk des Barock. Während der Unruhen1905 wurde es durch Feuer zerstört, jedoch 1908 durch Baron A. von Transehe-Roseneck unter der Leitung des Rigaer Architekten Wilhelm von Bockslaff (1858 – 1945) vollständig restauriert. 1920 wurde das Gut in viele kleine Teile zergliedert. Das Gutshaus wurde durch das Militär und später durch die Gemeindeverwaltung genutzt. 1940 diente das Gebäude als Grundschule. Im II. Weltkrieg belegte die deutsche Wehrmacht Teile des Gebäudes. Nach dem II. Weltkrieg konnte das Schloss wieder als Schule genutzt werden. Im Jahr 2003 erfolgten grundlegende Sanierungsarbeiten an dem Gebäude.

 

Semershof - Ziemeri, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut liegt ca. 20 km nördlich von Aluksne (dt.: Marienburg) nahe der Grenze zu Estland. Zu dem Gut konnten nur wenige historische Fakten ermittelt werden. Es wird erstmals um 1550 erwähnt und befand sich nach alten Quellen im Besitz der Familie von Wolff. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Gut verstaatlicht. Um 1935 war das Gut im Besitz der Familie Felsberg, wurde aber nach dem II. Weltkrieg erneut verstaatlicht. Das Herrenhaus wurde um 1786 im klassizistischen Stil mit barocken Elementen (Dachgauben) erbaut und ist leidlich erhalten. Es dient heute als Wohnhaus und soll restauriert werden. 2016 waren hierzu keine Aktivitäten zu erkennen.

 

Sissegal - Madliena, Livland, Lettland

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Sommerpahlen - Sömerpalu, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Sommerpahlen (estn.: Sömerpalu) liegt ca. 10 km westlich von Voru (dt.: Werro). Aufzeichnungen zu dem Gut reichen bis in das Jahr 1544 zurück. Zu dieser Zeit gehörte es der Familie des Stiftsvogts von Dorpat Georg Kursel, die auf dem Gelände eine Vasallenburg errichteten. Im Livländischen Krieg wurde die Anlage zerstört und es blieben nur noch wenige Reste erhalten. König Gustav Adolf verkaufte Sommerpahlen 1631 Hans Ohm, einem Bürger aus Reval. 1652 ging das Gut an die Familie des Majors Diedrich Müller. 1698 wurde das Gut dem Freiherrn von Ungern zugesprochen. 1718 wurde per Gerichtsbeschluss der Besitz wieder der Familie Müller zurückgegeben. Durch Heirat ging das Anwesen an die Familie von Möller das Anwesen. Das kleine Schloss wurde von Friedrich von Möller um 1860 im englischen Neogotikstil auf dem Gelände der älteren Burg erbaut. Interessant ist der integrierte Torweg im Verbindungsteil zwischen Haupthaus und Turm. Nach dem II. Weltkrieg war in dem Haus eine Schule untergebracht. Seit 2001 befindet sich das Schloss in privater Hand. 2016 war es in recht gutem Zustand, stand aber leer.

 

Stockmannshof - Stukmani, Livland, Lettland

 

Das Gut, dass zwischen Koknese (dt.: Kokenhusen) und Jekabpils (dt.: Jakobstadt) an der Daugava (dt.: Düna) liegt, hieß ursprünglich Loxten und war im Besitz des Erzbistums von Riga. Es wurde 1375 durch Litauer verwüstet. Im 15. Jh. verlieh der Erzbischof von Riga das Dorf und Gut Loxten an Johann Loxten und dessen adoptierten Sohn Arend Stockmann. Schon im 16. Jh. wurde Stockmannshof als Name erwähnt. Unter schwedischer Herrschaft wechselten die Besitzer des Gutes oft. Einer der Besitzer war Otto von Löwenstern, der es 1834 für 100.000 Rubel erwarb. 1852 gab er das Gut an seine Tochter Anna Julie Catharina Helene Sophie Gräfin Medem. 1878 verkaufte sie das Gut für 50.000 Rubel an ihren Sohn Graf Theodor Medem. Er behielt das Gut bis 1916. Nach der Agrarreform ging das Gut an den Staat Lettland. Der zentrale Teil des Gutes wurde im mittleren 18. Jh. als barockes Ensemble gestaltet. Zu dieser Zeit wurde auch ein weitläufiger Garten mit Terrassen, Labyrinthen und kleinen Pavillons angelegt. Das Schloss stammt ebenfalls aus der Mitte des 18. Jh. Ursprünglich bestand es aus einem zentralen Gebäude. Später wurde ein dreistöckiger Seitenflügel hinzugefügt. Im 19. Jh. wurden hinter dem Hauptgebäude verschiedene Wirtschaftsgebäude hinzugefügt. Zum Gutsensemble gehört auch eine fast perfekt erhaltene Mühle, die angeblich bis in den 1980er Jahre benutzt wurde. Im I. Weltkrieg wurde das Schloss schwer beschädigt. Das Gut war später ein sowjetischer Landwirtschaftsbetrieb. Zu dieser Zeit wurde das Schloss als Volkshaus mit großem Theatersaal erneut aufgebaut. Dieser Bau fügt sich nur schlecht in das Ensemble. Heute macht der Ort Stukmani und das ehemalige, fast komplette Gut einen fast trostlosen Eindruck. Der Gutshof wird durch eine Mauer, ein hohes, schmiedeeisernes Tor und große Hunde vor unerwünschten Besuchern geschützt. Der Hof wird durch eine Frau bewirtschaftet, die ihn gemeinsam mit ihrem aus Deutschland stammenden Mann erworben hat. Eine tragische Geschichte umgibt das Paar. Beide hatten Großes vor. Der Hof sollte wiederbelebt und ein Hotel und kulturelles Zentrum werden. Erste Arbeiten wurden gestartet und auch bereits Baumaterial angehäuft. Dann starb der Ehemann plötzlich. Ohne die finanzielle Stütze des Mannes befindet sich die hinterbliebene Frau nun am Rande des Ruins und möchte das Gut möglichst schnell wiederverkaufen. Daran ändern auch die vielen Bemühungen eines jungen, enthusiastischen Mannes nichts, der mit auf dem Hof lebt und die Mühle wieder in Betrieb nehmen und außerdem Musikkonzerte auf dem Gelände ausrichten will. Für nur wenig Geld bieten die freundliche Besitzerin und ihr Mitbewohner eine exzellente Führung durch den ganzen Gutshof an.

Sunzel - Suntazi, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut Sunzel (lett.: Suntazi) liegt in der Mite von Lettland ca. 40 km südlich von Sigulda (dt.: Segewold). Sunzel wurde erstmals 1318 im Zusammenhang mit der Errichtung einer Burg erwähnt. Im 17. Jh. wurde die Burg zerstört. Von 1816 bis zur Bodenreform 1919 war das Gut im Besitz der Familie von Hahnenfeld. Das Herrenhaus wurde 1780 zunächst als einstöckiges neoklassizistisches Gebäude errichtet und Ende des 19. Jh. um ein weiteres Stockwerk und um die beiden Türme links und rechts erweitert. In den Unruhen 1905 brannte das Schloss am 27. November aus, wurde aber 1909 wiederaufgebaut. Dabei wurden die beiden neogotischen Türme mit einem achteckigen Aufbau erhöht. Im I. Weltkrieg wurde das Schloss abermals schwer beschädigt. 1920 wurde es zur Schule um- und ausgebaut. Bis heute dient das Gebäude als Schule. Es sind neben dem Schloss auch noch einige Wirtschaftsgebäude leidlich erhalten.