Lost Places & Unlost Places  Baltikum

Livland (Lettland, Estland) M - Q

Mahlenhof - Malmuiza, Livland, Lettland

Der Name geht wohl auf das reichhaltige Vorkommen von Tonerde zurück („mal“ lettisch für Ton). Der Ort wird schon 1429 erwähnt. Erst Ende des 19. Jh. wurde das Herrenhaus aus Ziegeln und Holz und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude erbaut. Die Fassade des Herrenhauses ist mit Schnitzereien verziert. In jüngerer Vergangenheit war hier eine Grundschule untergebracht. 2016 schienen nur Teile des Hauses durch eine Bibliothek belegt zu sein. Der symmetrische, kompakte Bau im Stil des Historismus ist architektonisch interessant und ähnelt eher einem Jagdhaus. Das Gut Mahlenhof war u.a. im Besitz der Adelsfamilie Mengden. 1631 wurde durch König Gustav Adolf dem Baron Otto von Mengden der Besitz des Gutes bestätigt. 1678 ging das Gut an seinen Sohn, dem Generalmajor Gustav Mengden. Durch Baron Ernst Reinhold Mengden wurde 1818 das Gut an die Hofrätin Wilhelmine von Berg verkauft.

 

Burg Marienburg - Aluksne, Livland, Lettland

Die Burg Marienburg wurde als Grenzfeste gegen die Russen um 1341 auf Veranlassung des Ordensmeisters Burchard von Dreyleben durch den Deutschen Orden am Aluksner See errichtet. Der erste Komtur auf der Marienburg war Arnold Vietinghof. Beim Zusammenbruch des Ordens wurde die Burg ohne Gegenwehr dem russischen Feldherrn Kurbskij übergeben. 1582 ging die Burg an Polen. 1625 wurde sie durch die Schweden erobert. Im Nordischen Krieg wurde die Burg 1702 durch Scheremetjew erobert und durch Schweden mit samt den russischen Besatzern gesprengt. Die Ruine wurde nicht wiederaufgebaut. Daraufhin wurde die Stadt Marienburg durch die Russen zerstört. Das spätere Herrenhaus wurde in der Nähe errichtet.

 

Schloss Marienburg - Aluksne, Livland, Lettland

Die Marienburgschen Güter wurden durch die Kaiserin Elisabeth 1753 dem Kanzler Grafen Woronzew geschenkt. Dieser verkaufte sie dem Geheimrat Otto Herrmann von Vietinghof. Im neogotischen Stil, der sich am damals beliebten englischen Tudor-Stil orientierte, wurde um 1860 das Herrenhaus errichtet. Der Bau wurde durch den damaligen Besitzer Alexander von Vietinghof veranlasst und geht wohl auf den Entwurf vom preußischen Architekten P. B. Polnau oder auf Pläne des Rigaer Architekten Johan Daniel Felsko zurück. Der einst prachtvollste Schlosspark wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. durch Burchard von Vietinghof angelegt. Der letzte Besitzer hieß wie sein Urahn Arnold von Vietinghof. 1918 verließ er Livland und kehrte nach Deutschland zurück. 1924 wurde das Schloss durch das Militär requiriert. Heute wird das prachtvollrestaurierte Schloss als Museum, Kunstschule und Touristeninformation genutzt. Auch der Schlosspark beeindruckt bis heute durch Seen, Teiche, Brücken, Wäldchen und Pavillons.

 

Moisekatz - Mooste, Livland, Estland

Das Gut Moisekatz (estn.: Mooste) liegt südöstlich von Tartu (dt.: Dorpat) unweit des Peipussees und wurde im 16. Jh. gegründet. Es war durch den polnischen König Stefan Batory im Besitz des Richters Wilhelm Sturz. 1625 gehörte es Joachim von Güntersberg und danach Lorentz von Nummers. 1717 ging es durch Schenkung an den Grafen Paul Jaguschinskij. Danach war es von 1741 bis 1810 im Besitz des Grafen Münnich. Bis zur Bodenreform war es dann Eigentum der Familie von Nolcken. Letzter Besitzer war Axel von Nolcken. Nach der Enteignung wurde in dem Herrenhaus eine Schule eingerichtet, die bis heute hier untergebracht ist. Das ehemalige Gut beherbergt bis heute Wirtschaftsgebäude und auch eine Schnapsbrennerei. Das Gelände wird durch eine Mauer umgeben und stellt in Estland ein einzigartiges Ensemble dar. Das Herrenhaus wurde durch Baron Eduard von Nolcken nach Plänen des Rigaer Architekte August Reinberg 1905 - 1909 im sog. Heimatstil, einer Stilrichtung des Späthistorismus, errichtet.

 

Morne - MOrna, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Morne (estn.: Morna) liegt etwas versteckt südlich von Viljandi (dt.: Fellin) und war ein Teil des Gutes Euseküll, dass der Familie von Sivers gehörte. Das Gut Morne wurde 1829 von Euseküll abgeteilt und an den Landrichter Carl von Sivers gegeben. In der Familie von Sivers blieb es bis zur Enteignung. Der letzte Besitzer vor der Bodenreform war Karl von Sivers von 1900 bis 1919. Das kleine Herrenhaus im klassizistischen Stil mit Halbwalmdach wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jh. erbaut. Anfang des 20. Jh. war der Bau eines weitaus größeren Herrenhauses geplant. Auf Grund der Umstürze zu jener Zeit konnten die Pläne nicht mehr realisiert werden. Zu der Gutsanlage gehören solide Wirtschaftsgebäude aus Bruchstein. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz.

 

Neu-Laitzen - Jaunlaicene, Livland, lettland

Das Gut wurde durch die Kaiserin Elisabeth 1740 an den Grafen Woronzew gegeben. Dieser verkaufte es noch 1789 an den befreundeten Baron Johann Gottlieb von Wolff. Dieser starb 1765 ohne Nachkommen und hinterließ das Gut seinem Neffen. Das Gut blieb bis zur Enteignung im Besitz der Familie von Wolff. Letzter Besitzer war Baron Ralph Wolff. Das Herrenhaus mit dem imposanten Mittelrisalit wurde durch Baron Johann Gottlieb von Wolff nach Entwürfen des Grafen Mellin 1789 erbaut. Vom Gut sind noch Wirtschaftsgebäude erhalten und wurden zum Teil saniert. Das Herrenhaus existiert nicht mehr. Im Haus des ehem. Gutsverwalters wurde ein Museum zur Geschichte des Ortes eingerichtet.

Neu-Schwanenburg - Jaungulbene, Livland, Lettland

Dieses Schloss liegt ca. 17 km südwestlich von Gulbene (Schwanenburg). Das Gebiet wurde 1793 durch die Kaiserin Katharina II.  an den Geheimrat Friedrich von Koch verschenkt, der es 1797 dem Kammerherrn Johann Jakob Graf Igelström verkaufte. Nach dessen Tod kaufte 1806 der Landrat Karl von Transehe das Gut. Das Schloss wurde 1830 im neogotischen Stil errichtet und 1904 vom Gutsbesitzer Paul Otto von Transehe-Roseneck umgebaut, ursprünglich gotische Elemente wurden durch romanische und Neorenaissanceelemente ersetzt. Dabei wurde in Anlehnung an den damals beliebten nordischen Stil Feldsteinen zur Gestaltung verwendet. Der verspielte Tudorstil wich damit dem etwas bedrückend wirkenden, bis heute erhalten gebliebenen Aussehen. Der dunkle „Bienenturm“ auf der linken Seite des Schlosses wurde gemäß einer noch heute vorhandenen Plakette 1902 hinzugefügt. Das Schloss befand sich von 1806 bis 1920 im Besitz der Familie Transehe. Der letzte Besitzer vor der Enteignung war Paul von Transehe. Von 1927 bis in die 1990er Jahre war hier eine Landwirtschaftsschule untergebracht. Heute steht das Schloss leer. Zu dem Anwesen gehört ein weitläufiger Landschaftspark.

 

Neu-Wohlfahrt - Jerceni, Livland - Lettland

Im Dreieck vom westlichen Burtneck (lett.: Burtnieki), dem östlichen Walk (lett.: Valka) und nördlich von Stackeln (lett.: Strenci) lag das Gut Neu-Wohlfahrt (Jerceni). Neu-Wohlfahrt gehörte mit Alt-Wohlfahrt (lett.: Vec-Jerceni), Wohlfahrtslinde (lett.: Jaun-Jerceni) und Keysen (lett.: Keizi) ursprünglich zum Gut Wohlfahrt. Dieses wurde 1562 durch den König Sigismund August dem Hauptmann von Wolmar (lett.: Valmiera), Bernhard von Höweln verliehen. Das Gut blieb in der Familie bis nach 1619. Durch König Gustav Adolf wurde es dann an die Familie Oxenstierna vergeben. 1660 wurde das Gut in Alt-Wohlfahrt, Keysen und Gertzenhof (später Neu-Wohlfahrt und Wohlfahrtslinde) aufgeteilt. Durch Erbteilung ging das Gut Neu-Wohlfahrt an Magdalena Eleonore von Jamerstedt (geb. von Palmstrauch). 1811 ging das Gut durch Verkauf an Carl Samuel Ferdinand von Torklus. Es folgten nun einige Besitzerwechsel. 1868 ging das Gut an einen Theodor Adolph Horwitz. Über den weiteren Werdegang konnte nichts ermittelt werden.

 

Neuhall - Milites, Livland - Lettland

Das kleine Herrenhaus liegt an der Bundesstraße 16, zwischen Mazsalaca (dt.: Salisburg) und Matisi (dt.: St. Matthiae) unweit des Sees Burtnecker Sees. Ursprünglich gehörten die Güter Neuhall, Galandfeld (lett.: Pucurgas), Wilsenhof (lett.: Vilzeni) und Bauenhof (lett.: Bauni) zum Burtnecker (lett.: Burtnieki) Besitz. 1744 wurden Neuhall und Bauenhof durch die Kaiserin Elisabeth an den General Graf Alexander Rumjanzew gegeben. Von ihm gingen die Güter 1747 an Joachim Johann von Sievers. Von ihm ging das Gut an seinen Sohn. Nach dessen Tod erbten die beiden Töchter den Besitz. Dieser wurde 1808 unter den Töchtern aufgeteilt und Neuhall ging an die Baronin Elisabeth von Uexküll. 1832 gelangte das Anwesen an ihre Tochter. Durch Erbschaft gelangte das Gut an den Grafen Paul Sievers. Über die Geschichte des Herrenhauses ließen sich kaum Fakten ermitteln. Es ist nur bekannt, dass es ursprünglich einstöckig war und viele Male umgebaut wurde.

 


Burg Neuhausen - Vastseliina, Livland - Estland


Die Burg Neuhausen im Süden des heutigen Estlands unweit von Voru (dt.: Werro) wurde um 1342 zur Zeit des Ordensmeisters Burchard von Dreyleben erbaut. Sie war lange Zeit ein wichtiger Teil der östlichen Befestigung des Ordenslandes gegen Russland. Die Burg wurde zu Ehren der Jungfrau Maria als Frowenburch bezeichnet. Später erhielt sie den Namen Novum Castrum bzw. Neuhausen. Durch die bereits aufkommenden Geschütze wurde die Wehranlage sehr stark befestigt. Die Anlage war für die Region außergewöhnlich, da neben militärischen Aspekten auch das dekorative Aussehen durch zahlreiche Ziegelsteinornamente beachtet wurde. Über mehrere Jahre war die Burg durch Russen besetzt. Die Burg wurde bereits im Livländischen Krieg schwer beschädigt und im weiteren Verlauf der nordischen Kriege 1702 durch russische Truppen zerstört. Mit dem Aufkommen von immer effizienteren Kanonen boten die Burgmauern keinen sinnvollen Schutz mehr und die Burg wurde nicht mehr aufgebaut. Die malerische Ruine hat sich aber bis heute erhalten und wurde in Teilen mehrfach restauriert.


Neuhof - Jauna Muiza, Livland, Lettland

Es gab viele Güter mit dem Namen Neuhof in Livland. Die Anmerkungen auf der Rückseite bezeichnen ein Gut nahe Riga. Damit handelt es sich vermutlich um den Ort Jauna Muiza, der heute ein Teil von Riga ist. Das Gutshaus gibt es nicht mehr. Nur wenige genauere Details zur Geschichte ließen sich ermitteln. Lediglich ist bekannt, dass es der Familie von Carl von Kori gehörte. Carl von Kori, geb.: 1874 in Galen, gest.: 1968 in Bad Gandersheim und Erica von Kori (geb. Vietinghoff 1888 in Astaschowa (lett.: Astasova), gest. 1968 in Bad Gandersheim) lebten hier vermutlich bis 1939. Die Familie von Kori hatte enge familiäre Verbindungen zu namhaften baltischen Familien wie z.B. von Uexkülls, von der Borch, von Düsterlohe, von Rautenfeld u.a. Das Schicksal der Familie von Kori ist typisch für das Ende der deutschbaltischen Geschichte. Noch nach den Umbrüchen 1919 versuchten die adligen Baltenfamilien unter schwieriger werdenden Bedingungen ihr gewohntes Leben aufrechtzuerhalten und klammerten sich mit Festen und Jagden an alte Zeiten. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt war dann auch diese Zeit zu Ende. Die Familie von Kori wanderte mit vielen anderen baltischen Adelsfamilien zunächst nach Polen aus und erhielt hier einen neuen, zuvor vermutlich enteigneten Hof zur Bewirtschaftung (Glogowo).  Mit dem Ende des II. Weltkrieges endete auch diese kurze Phase abrupt und die Familie ging nach Westdeutschland in die Gegend von Bad Gandersheim. Nachkommen der Familie leben vermutlich noch heute in dieser Gegend.

 

Nurmis - Nurmizi, Livland, Lettland

Das ehemalige Gut befindet sich in der Gemeinde Sigulda (dt.: Segewold). Es wurde 1561 vom Ordensmeister Gotthard Kettler an seinen Rat Matthias Urader verliehen. Durch Vererbung ging das Gut an seinen Enkel, Oberstleutnant Hans von Berg. 1682 war das Gut im Besitz von Major Benedikt Johann von Berg, der unvermählt starb. Nach der Übernahme des Besitzes durch seine Schwester Elisabeth Margarethe von Thilau wurde durch ihren Sohn Karl Florian das Anwesen 1755 an Georg Gustav von Dunten verkauft. Von nun an verblieb das Gut in der Familie. Das Gutshaus wurde 1795 erbaut und ersetzte ein älteres Holzhaus. Es handelte sich um einen klassizistischen Flügelbau in Vollendung. Das Zentralhaus mit holländischem Dach wurde von zwei gekrümmten, einstöckigen Flügeln verlängert, die durch zweigeschossige Pavillons im römischen Stil abgeschlossen wurden. Das Schloss wurde von einem prachtvollen Park umgeben. 1905 brannte das Herrenhaus ab, wurde aber aufgebaut. Nach 1920 wurde das Herrenhaus als Landwirtschaftsschule genutzt. Im Krieg wurden 1944 Teile des Gutes zerstört. Das Gut ist noch existent aber verfallen. Vom dem einstmals architektonischen Meisterstück sind nur noch Teile erhalten.

 

Ruine Burg Oberpahlen - Poltsamaa, Livland, Estland

1272 wurde die Ordensburg an der Pale durch Ordensmeister Otto von Rodenstein erbaut. Die Burg wurde 1558 im moskovitischen Krieg von der Besatzung verlassen und durch Russen besetzt. 1573 wurde Oberpahlen von Zar Iwan IV. zur Residenz des livländischen Herzog Magnus von Holstein bestimmt. Der schwedische König Gustav Adolf verlieh Oberpahlen 1623 dem Feldmarschall Hermann Wrangel. Nach dem Tod seines Sohnes, Generalmajor Wolmar Wrangel, blieb das Anwesen im Besitz von dessen Witwe Christina (geb. Gräfin Wasaburg). 1720 schenkte Peter I. das Gut dem Rat Heinrich von Fick. Seine Tochter Aurore und sein Schwiegersohn, Major Woldemar Johann von Lauw, erbten 1750 den Besitz und baute 1760 das im nordischen Krieg von 1703 zerstörte Schloss wieder auf. Danach begann eine wirtschaftliche Blüte. Nach dem Tode von Lauw 1786 kaufte Katharina II. das Schloss und schenkte es General Alexej Bobrinsky. Seine Witwe Anna vererbte Oberpahlen an ihre Tochter Marie, die mit dem Fürsten Nikolaj Gagarin verheiratet war. In dessen Familie verblieb der Besitz bis zur Enteignung 1920. Das Schloss wurde als Kastell mit quadratischem Grundriss und starken Wehrmauern mit Graben angelegt. Vom Ende des 13. Jh. bis in das 16. Jh. wurde die Anlage immer wieder durch höhere Mauern, Schießscharten und Bastion verstärkt. Im II. Weltkrieg wurde das Schloss Oberpahlen mit seiner Kirche am 14. Juni 1941 zerstört. Die Kirche konnte zur Sowjetzeit 1952 wiederaufgebaut werden. Ab 1970 erfolgten dann auch Erhaltungsmaßnahmen für die Schlossmauern. Auf dem Gelände des Schlosses befinden sich heute eine Touristeninformation, ein Museum und ein Freilichttheater.

 

Ollustfer - Olustvere, Livland, Estland

Das ehemalige Gut Ollustfer (estn.: Olustvere) liegt ca. 20 km südwestlich von Poltsamaa (dt.: Oberpahlen) und 20 km nördlich von Viljandi (dt.: Fellin). Es existierte bereits zur Ordenszeit zunächst an einem etwas entfernteren Ort und gehörte der Familie Schilling. 1598 wurde der Besitz durch König Sigismund III. an Nicolaus Eismont vergeben, der es 1598 an die Familie Blankenfeld verkaufte. König Gustav Adolf vergab das ganze Fellinsche Gebiet mit Ollustfer an den Generalfeldherren Graf Jacob de la Gardie. Kurze Zeit gelangte der Besitz durch rechtliche, letztlich gescheiterte Streitereien wieder in die Familie Schilling. 1668 wurde das Anwesen durch die Familie de la Gardie das der Familie von Johann von Schlippenbach verpfändet. Durch Heirat ging es 1742 an die Familie von Karl Gustav von Fersen. Bei ihr blieb das Gut bis zur Enteignung. 1920 wurde in dem Gutshaus eine Landwirtschaftsschule eingerichtet. Heute befindet sich hier eine Touristeninformation und ein Kindergarten. Das Herrenhaus im englischen Jugendstil wurde um 1900 vermutlich durch den englischen Architekten Archibald MacPherson entworfen und gebaut. Der mit einer Steinmauer umgebene, weitläufige Park wurde durch den Rigaer Landschaftsarchitekten Georg Kuphaldt angelegt. Zusammen mit den vielen Nebengebäuden bildet Olustvere ein einmaliges Ensemble in Estland.

 

Orellen - Ungurmuiza, Livland - Lettland

Das Gut Orellen (lett.: Unguru) bei Cesis (dt.: Wenden) gehörte ursprünglich der Familie von Rosen. Woldemar von Rosen starb ohne Erben und so wurde der Besitz durch den Erzbischof Johann V. 1399 an Johann Wilberg verliehen. Es erfolgten einige Besitzerwechsel (Koskull, Üxküll, Rosen) bis es durch Erbschaft und Heirat in die Familie Ungern kam. Aus dieser Zeit hat sich der heutige Name des Gutes erhalten. Durch Kauf ging das Gut 1728 an die Familie Campenhausen. Durch den damaligen Besitzer General Balthasar Freiherr von Campenhausen wurde die heutige Form des Gutes und des Gutshauses geschaffen. Der Park wurde nach dem Geschmack von Campenhausen durch den deutschen Landschaftsarchitekten Heiser gestaltet. Das Gutshaus ist das einzige und älteste erhaltene Holzherrenhaus im barocken Stil des 18. Jh. und wurde 1732 durch Campenhausen als Familiensitz erbaut. Im Innern finden sich noch heute gut erhaltene Wandmalereien. Die Ecken des Herrenhauses werden durch eiserne Drachenköpfe im chinesischen Stil geschmückt. Der chinesische Stil wird von einem Teehaus im Park aufgegriffen. Von 1950 bis 1970 wurde das Gut restauriert. Heute wird es als Hotel und kulturelle Einrichtung für Hochzeiten, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. In einem weiteren Gebäude nahe am Gutshaus befindet sich ein sehr gutes Restaurant.

 

Ottenhof, Peudenhof auf Oesel - Oti, Pöide auf Saaremaa, Livland (Estland)

Nahe der Ordensburg von Peude (estn.: Pöide) wurde eines der ältesten Güter von Oesel auf der östlichen Seite der Insel um 1309 gegründet. Die Burg mit ihrem wehrhaften Turm wurde bereits 1290 erwähnt, hat aber vermutlich schon vorher existiert. Um 1343 wurde die Ordensburg zerstört und nicht wiederaufgebaut. Das Gut ging an die Familie von Uexküll und verblieb hier bis in das 17. Jh. Im Nordischen Krieg brannte das Gut 1710 vollständig ab. Das Gut wurde wiederaufgebaut und gehörte 1725 der Familie von Gotthard Wilhelm von Aderkas. Der Name Aderkas leitet sich vom Besitz Adrikas bei Lemsal (lett.: Limbazi) ab. Der Familie gehörte das Gut bis 1921. Der letzte Besitzer war Emmanuel Ottokar von Aderkas. Zur Sowjetzeit waren in dem Gebäude Büros eines Landwirtschaftsbetriebes untergebracht. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz und beherbergt ein Restaurant- und Hotelbetrieb. Das Herrenhaus wurde im 18. Jh. errichtet. 1850 wurde unter Karl Wilhelm Ottokar von Aderkas (1806 – 1863) dem Bau einen zweistöckigen Mittelrisalit hinzugefügt. Der Name des Gutes geht auf ihn zurück. Die Ecken des Gebäudes sind mit Oeseler Dolomit verstärkt. Die Fassade enthält Stuckdekor. Noch heute wird der Mittelteil des Gebäudes durch das Wappen der Familie Aderkas und auf der Rückseite über einem Fenster durch eine Plakette mit den Initialen von Ottokar von Aderkas und dem Jahr des Umbaus geschmückt.


Padel auf Oesel - Paadla, Paevere auf Saaremaa, Livland - Estland

Das Gut Padel liegt im Ort Paevere an der Straße 78 ca. 15km westlich von Kuressaare (dt.: Arensburg) entfernt. Das Gut stammt aus dem Mittelalter und gehörte seit 1527 der Familie Buxhoeveden (andere Quellen auch Familie Uexküll). Das ursprüngliche Herrenhaus war zunächst einstöckig. In den 1860er bis 1880er Jahren wurde es stark umgebaut und erweitert. Dabei ist vermutlich auch der abgewinkelte Grundriss entstanden. Das Gutshaus ist heute in Privatbesitz und wurde 2018 saniert. Leider konnten keine weiteren geschichtlichen Fakten zum Herrenhaus oder weiteren Besitzern ermittelt werden.

 


Peddast auf Moon - Pädaste auf Muhu, Livland - estland

Peddast ist das einzige auf der Insel Muhu erhaltene Herrenhaus. Das Gut wurde schon im 16. Jh. gegründet. Es war bis 1768 im Besitz der Familie von Knorring und bis 1796 in der Familie von Buxhoevede. Danach ging es an die Familie von Stackelberg und später an die Familie von Bock, die es bis 1919 besaß (andere Quellen: wiederum Familie Buxhoeveden). Von 1951 bis 1986 war hier ein Heim für Behinderte bzw. ein Pflegeheim untergebracht. Seit 1996 ist das Gut in Privatbesitz. Hier werden ein Hotel und ein Gourmetrestaurant betrieben. Das eklektizistische Gutshaus wurde von 1871 bis 1875 erbaut. Im Giebel des zweistöckigen Eingangsbereiches findet sich noch das Wappen der Familie von Buxhoevede. Es sind bis heute beeindruckende Wirtschaftsgebäude aus Feldstein erhalten geblieben.

 


Penniküll, Penneküll - Penuja, Livland - Estland

Nur auf abenteuerlichen Wegen lässt sich das ehemalige Gut Penniküll (estn.: Penuja) südöstlich von Moisaküla (dt.: Moiseküll) an der Grenze zwischen Estland und Lettland erreichen. Penniküll ist ein typisches Beispiel für Lost Places. Selbst in umfangreichen Katalogen zu ehemaligen Herrenhäusern fehlt dieser Ort. Über das Gut lassen sich Informationen nur noch in uralten Quellen finden. Zum Gutshaus konnten keine Details oder historische Ansichten ermittelt werden. Im 16. Jh. gehörte das Gut Bernhard Weforssen, der es im russischen Krieg verließ. Daraufhin wurde es an Reinhold Tauber verliehen, der es seinem Schwager Otto von Ahlen weitergab. König Stephan verlieh das Gut dem Rittmeister Adam Miersiewsky. Dieser verkaufte es 1592 Wilhelm Duecker. Durch Erbschaft ging es an den Sohn Hans und 1682 an den Enkel Leutnant Jost Friedrich Duecker. 1733 verkaufte der Rittmeister Ernst Johann von Duecker das Gut an Leutnant Paul Christoph von Ceumern. 1742 verkaufte dieser wiederum den Besitz an den Leutnant Christoph Möller. Schon 1744 erfolgte der Weiterverkauf an die Familie von Erich Johann von Smitten. 1756 erhielt der Schwiegersohn, Baron Moritz Leonhard von Posse, den Besitz. 1799 ging das Anwesen an den Rittmeister Baron Carl Ludwig Mengden, der aber Bankrott ging. 1803 erstand das Gut General Gotthard von Knorring aus der Konkursmasse. Nach dessen Tod ging der Besitz an eine Erbengemeinschaft. 1855 verkauften sie es an Baron Carl Bruiningk, der es 1863 an August Hermeyer. Schon 1868 kaufte Eduard Schulmann Penniküll, der es 1870 einem Peter Widdrik. An diesem Zeitpunkt reißen die Quellen von L. von Stryk von 1877 ab. Über die weitere Geschichte ließen sich keine Fakten ermitteln. Heute ist nur noch eine völlig zugewachsene Ruine erhalten.

 

Piddul auf Oesel - Pidula auf Saaremaa, Livland - Estland

Pidula liegt im Nordwesten der Insel Saaremaa unweit der Küste. Schon 1227, kurz nach der Eroberung von Oesel durch den Orden wurde ein Hospital in Piddul gegründet. Der Name geht auf die  Bezeichnung für Hospital zurück. Nachdem das Hospital verlegt wurde eine Domäne des Bischofs. Diese Domäne wurde 1572 andere Quellen: 1560) an Joachim von Stärk verlehnt. 1603 befand es sich in der Familie des Casper von Stackelberg. Durch Heirat ging es 1772 in die Hände der Familie von Gustav Wilhelm von Toll. Hier verblieb es bis zur Bodenreform 1919. Der letzte Besitzer war Richard Bernhard von Toll. Von 1920 (andere Quellen: von 1923) bis 1970 diente das Gutshaus als Grundschule. Das Haus wurde um 1750 von Matthias Christoph von Stackelberg auf den Grundmauern eines älteren Hauses, dass als Hospital diente, erbaut. Der Anbau wurde erst Anfang des 19. Jh. hinzugefügt. Nach langem Leerstand ist es nun in privater Hand und wird liebevoll zu einem Konferenzhotel saniert. Bei Sanierungsarbeiten kamen Wandverzierung und Bemalungen an Balken zum Vorschein. Im Keller fanden sich alte Möbel. Es gibt Hinweise auf noch zugemauerte Kellerräume, die ebenfalls alte Möbel und Gerätschaften enthalten sollen. Diese Gewölbe dürfen aber nur unter staatlicher Aufsicht eröffnet werden. Der freundliche Besitzer wohnt in einem prachtvoll sanierten Nebengebäude auf dem Gutsgelände. Auf Anfrage gewährt er gern einen Rundgang durch das Anwesen.

 


Podis - Pootsi, Livland - Estland

Der Ort Pootsi liegt direkt am südlichen Zipfel des Festlandes am Pernauischen Meerbusen gegenüber von Pernau (estn.: Pärnu). Der Ort wird schon 1518 erwähnt. Das Gut entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jh. und hatte unter polnischer Herrschaft einer Familie Spasky gehört. Es wurde 1624 Magnus von der Pahlen verliehen. Es wurde in der Familie immer weiter vom Vater auf den Sohn vererbt, bis 1790 das Gut durch Gustav Friedrich von der Pahlen an den polnischen Kammerherren Carl Otto von Lilienfeld verpfändet wurde. 1832 ging es an Magnus Gustav Jacoby und 1856 an die Familie des Gotthard Ludwig Gustav Baron Maydell. In der Familie Maydell blieb es, zum Schluss in reduzierter Form, bis in die Zwischenkriegszeit. Der letzte Besitzer war Gustav Gotthard Maydell. Danach wird es bis in die heutige Zeit als Schule genutzt. Allerdings schien das Schulhaus 2018 leer zustehen und es fanden Sanierungsarbeiten statt. Das klassizistische Herrenhaus mit seinem kolossalen 4-Säulenportikus und den einstöckigen Seitenflügeln wurde um 1820 errichtet. In den 1960er Jahren wurde es den Zwecken der Schule angepasst und dabei wesentliche Elemente des Hauses zerstört. Dem Haus wurde ein zweiter Stock hinzugefügt und viele Inneneinrichtungen unwiderruflich zerstört.


Puikeln - Puikule, Livland - Lettland

Das Herrenhaus mit seinem gewaltigen Turm liegt westlich von Burtnieki (dt.: Burtneck) und südlich von Aloja (dt.: Allendorf) und wurde im neogotischen Tudorstil in Ziegelbauweise um 1870 errichtet. Ab dem 18. Jh. war es im Besitz der Familie von Klott. Diese Familie legte auch Ende des 19. Jh. einen Landschaftspark an. Seit 1938 ist in dem Haus eine Schule untergebracht. Im Innern haben ein Kamin und alte Türen die Zeiten überdauert.

 

Quellenstein - Allikukivi, Hallikukiwi, Livland, Estland

Das ehemalige Herrenhaus liegt in dem Ort Allikukivi an der Straße von Pärnu (dt.: Pernau) nach Valga (dt.: Walk) versteckt im Wald ca. 30km. südöstlich von Pärnu bei Killinge - Nömme. Das Herrenhaus entstand um 1858 und wird auch Zoeppfel-Haus nach seinem Erbauer, dem Besitzer der Tuchfabrik in dem Ort, Albert Zoeppfel von Quellenstein, genannt. Die Fabrik brannte 1894 nieder. Beeindruckender Kinkerbau im Historismusstil, dass linksseitig von einem polygonalen Saal abgeschlossen wird. Der strenge Baustil wird etwas durch Fenster im gotischen Stil gemildert. Die einstigen Verzierungen im Innern wurden durch Modernisierungen zerstört oder durch Trockenbauwände verdeckt. In der Eingangshalle sollen nach Internetangaben noch historische Elemente erhalten geblieben sein. Zu dem Anwesen gehörte ein Landschaftspark. Das Herrenhaus wurde von seinen Besitzern 1920 verlassen. Schon kurz nach der Unabhängigkeit Estlands wurde das Schloss als Schule genutzt. Nach Internetquellen befindet sich auch heute noch eine Grundschule in dem Gebäude. In den 1990er Jahren wurden erste Sanierungsarbeiten mit europäischer Hilfe durchgeführt. 2006 wurden weitere umfangreichere Restaurierungen vorgenommen. Nachfahren aus der einstigen Besitzerfamilie Zoeppfel standen noch bis in die heutigen Tage im Kontakt mit der Schule. 2012 wurde der Schulbetrieb in dem Gebäude eingestellt. 2015 ging das Anwesen in private Hand über. Nun wird hier ein kleines Unternehmen betrieben, das einen vorzüglichen Obstwein herstellt und vertreibt.