Lost Places & Unlost Places  Baltikum, Estland

Estland Q - Z

Raggafer - Rägavere, Ragavere (Estland)

Das Gut Rägavere (dt.: Raggafer) liegt nur ca. 7 km südöstlich von Rakvere (dt.: Wesenberg) entfernt. Es wurde 1540 von dem Gut Mödders (estn.: Mödriku), dass den Brackels gehörte, abgetrennt und unabhängig. Von den beiden Brüdern Wolmar und Dietrich Brackel erhielt Dietrich das Anwesen. Von 1604 bis 1671 war es in den Händen der Familie von Paykull. Bis zum Anfang des 18. Jh. war es dann im Besitz der Familie von Stackelberg. Von 1765 bis 1850 gehörte das Gut der Familie von Kaulbars und bis 1860 der Familie von Pilar von Pilchau. 1860 ging das Gut an die Familie von Dehn. Die Familie behielt das Gut bis 1919. Der letzte Besitzer war Karl Heinrich von Dehn. Von 1922 bis 1972 war in dem Herrenhaus eine Schule eingerichtet. Danach war das Gut Bestandteil einer Kolchose. In den 1970er Jahren begann der Vorsitzende der Kolchose mit dem Beginn der Restaurierung des Gutsgebäudes zu einer Kulturstätte. Nach der Unabhängigkeit 1991 war die Gemeinde nicht mehr in der Lage, das Herrenhaus zu unterhalten und verkaufte das Anwesen 1999 an einen amerikanischen Besitzer. Ein erstes Anwesen wurde bereits Ende des 17. Jh. durch die von Stackelbergs erbaut. Dieses brannte jedoch im Großen Nordischen Krieg ab. Das heutige Herrenhaus wurde um 1780 durch Baron Hermann Helmich von Kaulbars erbaut. Das klassizistische Herrenhaus mit Barockelementen ist reich an Stuckverzierungen im Innern, die durch Johann Schultz, einem Meister aus Reval (estn.: Tallinn), gestaltet wurden. Nach einem Brand wurde 1889 ein seitlicher Flügel dem Haupthaus hinzugefügt.

 

Rayküll, Raykull - Raikküla, Raikkula (Estland)

Das Gut wird 1469 (andere Quellen 1496) erstmals als Besitz des Jürgen Vietinghoff erwähnt. 1492 wird es an Jürgen Brackel und 1506 an Luloff Fürstenberg von Westphalen verkauft. 1539 wird es von ihm an Lorenz Fersen gegeben. Nach dem Tod von Freiherr Otto Wilhelm von Fersen ging der Besitz an seine Tochter Juliane Helene. Durch Heirat und Erbschaft ging das Gut in die Familien Wrangel, Schlippenbach und Bistram. Von der Familie Bistram kaufte 1776 es Peter von Holstein-Gottorp und dann Friedrich von Staal das Gut. 1832 durch erneuten Verkauf ging es an den russischen Finanzminister Graf Georg Cancrin. Durch Heirat seiner Tochter kam das Anwesen 1844 in den Besitz der Familie des Grafen Keyserling. Hier verblieb es bis zur Reform. Letzter Besitzer war der Philosoph Graf Hermann von Keyserling. Nach der Bodenreform war hier ab 1920 ein Kinderheim und ab 1858 ein Internat untergebracht. Seit 1960 verfallt das Haus. Das imposante klassizistische Herrenhaus stammt in den ältesten Teilen aus dem 18. Jh. Die heutige Gestalt erhielt es nach einem Brand 1817 in der Zeit von 1819 bis 1820 durch Georg von Staal. 1960 brannte das Herrenhaus aus. Heute steht das Anwesen leer und verfällt. Charakteristisch für das Herrenhaus sind der kolossale Sechssäulenportikus und die ausladende Terrasse mit Freitreppe auf der Parkseite.

 

Reval - Tallinn (Estland)

Im 11. Jh. wurde bereits eine hölzerne Befestigungsanlage zum Schutz eines Handelsplatzes angelegt. Der alte Name geht auf die estnische Bezeichnung des ursprünglichen Landkreis Rävälä zurück. 1219 erobert Dänen die Befestigung und erbauten eine neue Anlage. Doch schon 1227 wurde Burg durch den Schwertbrüderorden erobert. Beim Übergang des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden 1237 fiel Reval wieder an Dänemark. 1346 ging Estlands Norden komplett an den Deutschen Orden. Nachdem Wisby durch dänische Plünderung 1361 geschwächt wurde, stieg Reval zur wichtigen Handelsmetropole Richtung Osten auf. In den Folgejahren hatte Reval unter den Kämpfen zwischen Rußland und Livland zu leiden. Nach der Niederlage des Deutsch Ordens 1561 stand Reval unter der Herrschaft der Schweden bis 1710. Mit dem Großen Nordischen Krieg ging Reval an Rußland. Mit der ersten Unabhängigkeit Estlands 1918 wurde die Stadt in Tallinn umbenannt und wurde Hauptstadt. Diesen Status behielt es auch während der Sowjetzeit und danach bis heute. Der Domberg, von dem einst der Deutsche Orden regierte, beherbergt bis heute das Regierungsviertel. Die Altstadt mit ihrer Stadtmauer hat die Zeiten fast unbeschadet überstanden.  Von der Stadtmauer ist etwa die Hälfte erhalten. Die mächtige Mauer mit den über 40, teilweise charakteristisch geformten Türmen entstand bereits im Mittelalter und machten Reval zu einer bestbefestigten Hafenstädte Europas.

 

Ruil - Ruila, Estland

Ruila liegt an der Straße 9 von Riisipere (dt.: Riesenberg) nach Saue (dt.: Sauß) ca. 15km nordöstlich von Riisipere. Erste schriftliche Erwähnungen gehen auf das Jahr 1417 zurück, als es der Sitz eines hohen Beamten des Deutschen Ordens war. Das Gut wurde auf einer prähistorischen Kultstätte errichtet. Alte Kultsteine finden sich noch heute auf dem Gelände. Um 1622 war Johann Ulrich der Besitzer des Anwesens. 1814 war das Gut im Besitz der Familie von Bremen, die es bis zur Bodenreform behielt. Der letzte Besitzer war Ulrich von Bremen verblieb noch bis 1939 auf dem Restgut. 1940 zog eine Schule in das Gutsgebäude. Heute befindet sich in dem sehr schön restaurierten Gebäude immer noch die Schule von Ruila. Ein ursprüngliches Herrenhaus wurde im Livländischen Krieg zerstört. Das heutige Gutshaus wurde 1859 durch Julius von Bremen erbaut. Reste des alten Gutshauses finden sich noch im Keller des Hauses. Die untere Etage ist aus Stein und die erste Etage aus Holz gebaut.

 


Sack - Saku (Estland)

Der nahe der Hauptstadt Tallinn (dt.: Reval) gelegene Ort Saku (dt.: Sack, gesprochen: Ssack) wurde 1463 durch den Ordensmeister Heinrich von Bockenvorde an Laurenz Museke gegeben. Im 16. Jh. besaß die Familie Tödwen das Gut. 1513 wurde durch sie das Gut an Claus Mecks verkauft. Von dieser Familie erwarb 1608 Bernhard von Scharenberg zu Sauss den Besitz. Nach dessen Tod erfolgten verschiedene Besitzerwechsel (darunter von Rehbinder, von Patkul) bis das Gut 1850 in den Besitz von Carl von Baggehuffwudt kam. Hier verblieb das Gut bis zu seinem Ende durch Enteignung. Der letzte Besitzer war Valerian von Baggehufwudt. Das luxuriöse Herrenhaus Sack wurde von 1825 bis 1830 mit seinem mächtigen Viersäulenportikus im hochklassizistischen Stil vom Grafen Paul Eduard Rehbinder vermutlich nach Entwürfen des Architekten Carlo Rossi aus St. Petersburg erbaut. Das Schloss blieb erhalten und wurde von 1924 bis 1948 als Hauswirtschaftsschule genutzt. Ab 1960 wurde das Gebäude saniert. Bis 2002 war hier die Gemeindeverwaltung Saku untergebracht. Heute beherbergt es ein Hotel. Die Fassade war und ist überaus reich geschmückt.

 

Sackhof - Saka (Estland)

Das ehemalige Gut Sack (estn.: Saka) liegt direkt an der Nordküste Estlands, nördlich der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Narva (dt.: Narwa) auf der halben Strecke zwischen Rakvere (dt.: Wesenberg) und Narva. Das Gut entstand vermutlich um 1626. Es gehörte dem schottischen Adligen John Leslie und wurde durch seine Erben 1730 (andere Quellen 1748) an Katharina Margaretha von Wrangell verkauft. Der letze Besitzer der Familie war Georg Gustav von Wrangel bis 1808. Von 1810 bis zur Landreform gehörte das Gut den von Löwis auf Menar. Der letzte Besitzer war Hermann von Löwis auf Menar. Er blieb auch nach der Landreform noch auf dem Gut bis 1939. Danach wurde das ehemalige Gut auf Grund seiner strategischen Küstenlage militärisch genutzt. Zunächst war estnisches Militär hier untergebracht. Im II. Weltkrieg nutzte die deutsche Waffen-SS das Gelände von 1941 bis 1944. Zur Sowjetzeit war in dem Herrenhaus die Grenzpolizei untergebracht. Nach der Wende verfiel das Gebäude ungenutzt. 2001 wurde das Gelände privatisiert. Heute ist das Anwesen prachtvoll saniert und wird als Hotel und Tagungszentrum genutzt. Das kompakte Herrenhaus wurde durch Oskar von Löwis auf Menar von 1862 bis 1864 im eklektizistischen Stil mit Neorenaissanceelementen erbaut. Auch eine Anlehnung an italienische Villenarchitektur scheint, ähnlich dem zerstörten Herrenhaus Orru (estn.: Oru), erkennbar zu sein.

Saggad - Sagadi (Estland)

Das prachtvoll sanierte Schloss Sagadi (dt.: Saggad) liegt nördlich der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Narva (dt.: Narwa) ca. 25 km nordwestlich von Rakvere (dt.: Wesenberg) unweit der Nordküste Estlands. Sagadi wird durch das nicht weit entfernte Schloss Palmse (dt.: Palms) ein wenig in den Schatten gestellt. Das Gut Saggad wird um 1469 als Besitz von Helmeit Risbiter erstmals erwähnt. 1517 wird es an die Familie Marx von dem Berge verkauft. Diese Familie behielt das Gut bis Anfang des 17. Jh. Seit 1619 war es dann im Besitz der Familie von Jacob Mac Duwald und danach von Gideon Fock. Diese Familie behielt das Anwesen bis 1919. Der letzte Besitzer aus der Familie war Ernst von Fock. Nach der Bodenreform war von 1927 (andere Quellen 1920) bis 1973 eine Schule in dem Schloss untergebracht. Durch einen staatlichen Forstbetrieb erfolgten erste Sanierungsmaßnahmen bereits um 1977. Heute ist das Schloss mit seinem Park prachtvoll saniert und beherbergt ein Museum. Neben dem Schlossgebäude sind noch Wirtschaftsgebäude und ein dekoratives barockes Torhäuschen aus dem Jahre 1794 erhalten. Zusammen bildet Sagadi ein einzigartiges Ensemble. Die ältesten Teile des einstöckigen Schlosses mit Rokokofassade gehen auf die Zeit zwischen 1749 und 1753 unter Johann Ernst von Fock zurück. Die heutige frühklassizistische Form erhielt es durch Gideon Ernst von Fock zwischen 1793 und 1795. Zu dieser Zeit wurde der Bau um zwei Seitenteile verlängert.

 

Saulep - Saulepi, estland (Lost Place)

Dieser winzige Ort mit seinem verfallenen Holzherrenhaus liegt direkt an der Küste etwa 50km westlich von Pärnu (dt.: Pernau) bzw. ca. 15km westlich von Töstamaa (dt.: Testama) entfernt. Das Gut wurde erstmals im Zusammenhang mit Gut Verpel (estn.: Varbla) erwähnt. Verpel war im Besitz von Magnus Johann von Nasakin. Der Besitzer teilte Saulep für seinen ältesten Sohn Adam Johann von Verpel ab. Nach dem Tode von Magnus Johann, ging das gesamte Gebiet um Verpel und Saulep an den Sohn Adam Johann. Auf Grund von Erbstreitigkeiten wurde Saulep 1797 von Alt-Verpel (Vana Varbla) abgetrennt. Das kompakte Herrenhaus wurde Mitte des 19. Jh. errichtet. Die Reste der Innenausstattung lassen vermuten, dass das Haus als Schule genutzt wurde. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz, ist jedoch in einem erbärmlichen Zustand. Ein echter Lost Plac


Sellie - Seli, Estland

Das ehemalige Gut Sellie (estn.: Seli) liegt ca. 15km nördlich von Rapla (dt.: Rappel) entfernt. Es gehörte ursprünglich dem St. Brigitten Kloster (estn.: Pirita). Von 1832 bis 1919 gehörte das Gut der Familie Tiesenhausen. Der letzte Besitzer war Nikolai Alexander von Tiesenhausen. Von 1920 bis 1985 diente das ehemalige Gut als Sanatorium und danach als Krankenhaus für Kriegsveteranen. Nach 1994 gehörte das Anwesen dem Verteidigungsministerium. Das ursprüngliche Haupthaus wurde im 18. Jh. im barocken Stil erbaut. Um 1830 wurde es durch zwei Seitenflügel erweitert. Ende des 19. Jh. wurde der Balkon hinzugefügt. Nach einem Brand wurde das Haus im neoklassizistischen Stil renoviert. Zu dem Haupthaus gehörte Nebengebäude, von denen einige erhalten geblieben sind. (Zur Geschichte des Gutes und dessen Besitzer gibt es im unterschiedliche Angaben.)


Sipp - Sipa, Estland

Sipp liegt zwischen Koluvere (dt.: Lohde) und Märjamaa (dt.: Marienland oder Merjama) an der Landstraße 29. Ein Ort Sipp wird schon um 1414 erwähnt. In der 2. Hälfte des 18. Jh. gehörte das Gut der Familie von Fersen. Zu Beginn des 20. Jh. war die Familie Wetter-Rosenthal der Eigentümer. Nach der Bodenreform zog die örtliche Schule in das Gebäude. Zu Sowjetzeiten war das Gut im Besitz eines Landwirtschaftsbetriebes. Heute sind in dem schön sanierten Gebäude der Kindergarten bzw. die Grundschule von Sipa untergebracht. Zusätzlich befindet sich hier ein Eventzentrum der Gemeinde. In dem Gutshaus befinden sich Reste eine viel älteren Gebäudes. Das Gutshaus wurde im Spätbarockstil Ende des 18. Jh. erbaut. Am Giebel befinden sich Rokokoverzierungen. 1905 brannte das Gebäude aus, wurde aber fast originalgetreu wiederaufgebaut.

 


Viol - Vihula (Estland)

Das Gut Vihula (dt.: Viol) liegt nördlich der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Narva (dt.: Narwa) unweit der Nordküste von Estland. Es wird erstmal 1501 erwähnt. Zu dieser Zeit war es im Besitz des dänisch stämmigen Hans von Lode. Bereits ein Odvard von Lode war an Kriegszügen gegen die heidnischen Esten beteiligt und erhielt vermutlich schon im 12. Jh. das Land bei Vihula. Um 1540 war das Anwesen im Besitz der Familie von Johann Wekebrot. Zwischen 1605 und 1810 war es in dem Besitz der Familie von Helffreich und ging danach durch Versteigerung an die Familie von Alexander von Schubert. Diese Familie behielt das Anwesen bis zur Bodenreform und ein Restgut noch darüber hinaus. Der letzte Besitzer aus der Familie war Sergius von Schubert. Nach dem II. Weltkrieg diente das Herrenhaus als Pflegeheim. Ab den 1980er Jahren wurde das Gut saniert. Zunächst gab es auf dem Gut ein Holzherrenhaus, dass 1892 abbrannte. Danach entstand das heutige asymmetrische Herrenhaus mit Neorenaissanceelementen und auch der weitläufige Park unter dem weitsichtigen Alexander Berend von Schubert. Zu Ehren von Alexander Berend wurde zum 205. Jubiläum des Erwerbs des Gutes durch die Familie Schubert eine Gedenkbüste im Park aufgestellt. Das Herrenhaus wurde mit europäischer Unterstützung von 2008 bis 2012 komplett restauriert. Heute beherbergt es einen Hotelbetrieb. Neben dem Hauptgebäude und dem Park sind diverse Nebengebäude erhalten geblieben. Zusammen bildet die Anlage eine prachtvolle Anlage.

 

Waddemois - Vaimoisa (Estland)

Das Gut Waddemois (estn.: Vaimoisa) liegt an der Fernverkehrsstraße von Tallinn (dt.: Reval) nach Pärnu (dt.: Pernau) ca. 20 km westlich von Rapla (dt.: Rappel). Erste Erwähnung findet es um 1494 als Besitz der Familie von Farensbach. Die Familie besaß das Gut bis zum Ende des 16. Jh. und ging dann in die Familie von Fleming über. 1724 war das Anwesen Eigentum der Familie von Karl Hermann von Wetter-Rosenthal. Hier verblieb es bis 1793 bis es durch die Familie Nasackin gekauft wurde. Diese starteten auch den Bau des Herrenhauses, mussten es aber unvollendet 1797 an Reinhold Carl von Baranoff verkaufen. 1802 ging das Gut durch Verkauf an Heinrich von Wilcken, dessen Familie das Gut fast 100 Jahre behielt. Die von Wilcken vollendeten den Bau des Herrenhauses. 1899 ging das Gut an Alfred Reinhold Christian Schmidt, der es bis zur Enteignung behielt. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Herrenhaus bis 1974 als Schule genutzt. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz. Das Herrenhaus mit seinem flachen Walmdach wurde 1818 im frühklassizistischen Stil vollendet. Charakteristisch für das Herrenhaus ist die park- und auffahrtseitig unterschiedliche Aufteilung: auf der Parkseite enthält die Fassade ein Mittelrisalit und auf der Auffahrtseite zwei Seitenrisalite. Die Reste von Säulen scheinen früher eine zentrale Hochveranda aus Holz getragen zu haben.

 

Wassalem - Vasalemma, Estland

Vasalemma befindet sich ca. 20km nördlich von Riisipere (dt.: Riesenberg) entfernt. Das Gut wurde von der Familie von Ramm nach den Nordische Kriegen gegründet. 1886 kaufte es der Unternehmer Valerien von Baggehufwudt aus Sack (estn.: Saku). 1922 zog eine Schule in das Gebäude ein. Das hervorragend sanierte Herrenhaus wird noch heute als Schule genutzt. Das Schloss wurde 1890 bis 1893 im Auftrag von Eduard von Baggehufwudt durch den Architekten Konstantin Wilcken aus dem lokalen widerstandsfähigen „Wassalem-Mamor“ (Dolomitgestein) erbaut und ist ein hervorragendes Beispiel für die Neogotik in Estland. Es imitiert die englischen Ritterschlösser und wurde häufig als Filmkulisse verwendet, so z.B. für einen russischen Miss-Marple-Film.

 


Wattel - Vatla, Estland

Das Dorf Vatla liegt an der Westküste Estlands ca. 50km nordwestlich von Pärnu (dt.: Pernau) entfernt. Über das Dorf Wattel gibt es schon seit 1320 schriftliche Zeugnisse. Zu dieser Zeit verkaufte der Ordensmeister Gerhard von Jorke das Gebiet mit dem Dorf Wattell an das Kloster Padis (estn.: Padise). Das Gut wird Ende 1582 erwähnt, als es an Jochim Greffe vergeben wird. 1694 gehörte es der Familie Bielke. Durch Erbschaft ging es in den Besitz der Familie des Freiherrn Thure Jaan Manderstjerna. Hier verblieb es bis 1783. Von 1798 bis 1807 gehörte es der Familie Kursell. Danach war es bis 1830 im Besitz der Familie von Rosen. Danach übernahm die Familie von Karl Georg von Wahl bis 1845 das Anwesen. Von da an war es im Besitz der Familie der Baronin Anna Sophie von Maydell, die es bis zur Bodenreform behielt. Der letzte Eigentümer war der Sohn Charles von Maydell. Ab 1923 diente das Gutshaus bis heute als Schule. In den Nebengebäuden ist z.B. eine Turnhalle eingerichtet. Das Herrenhaus mit seinem charakteristischen, dreistöckigen Mittelrisalit und die noch heute erhaltenen Nebengebäude wurden kreisförmig um 1810 (andere Quellen: 1820) unter Otto Freiherr von Rosen (andere Quellen: 1835 durch Baron Maydell) im barocken Grundstil mit neoklassizistischen Elementen erbaut. Vorher standen auf dem Gelände verstreut Holzbauten. Die Inneneinrichtung war reich dekoriert. Von Pirang erwähnt explizit die eindrucksvollen Öfen, die bis heute erhalten sind.

 


Wayküll, Waykull - Vaeküla, Vaekula, Estland (Lost Place)

Der kleine Ort Vaeküla (dt.: Waiküll) liegt ca. 8 km östlich von Rakvere (dt.: Wesenberg) entfernt. Schon von weitem ist ein monumentaler Bau zu erkennen, der ein ehemaliges Herrenhaus vermuten lässt. Es handelt sich jedoch um ein gewaltiges, dem Klassizismus angelehntes Gebäude mit angedeutetem Portikus und Seitenrisaliten vermutlich aus den 1950er Jahren. Es diente als Schule und steht heute leer. Das eigentliche Gut Waiküll wurde 1532 gegründet. Von den 1830er Jahren bis 1919 war das Gut im Besitz der Familie von Schubert. Der letzte Besitzer war Friedrich von Schubert. Um 1930 wurde eine Landwirtschaftsschule auf dem Gut eingerichtet. Nach dem II. Weltkrieg diente das Herrenhaus als Kinderheim und später als Internat für behinderte Kinder. Heute steht das Haus leer. Das frühklassizistische Herrenhaus aus Holz stammt vermutlich aus dem frühen 19. Jh. 1884 wurde der zweistöckige Anbau aus Stein im Historismusstil nach Plänen des Architekten Friedrich Modi hinzugefügt. Aus dieser Zeit stammt auch die seitliche verglaste Veranda. Unweit des Herrenhauses ist ein alter, sehr solider Stall erhalten geblieben. Eingeritzte Jahreszahlen an den Holzbalken zeigen, dass der Stall aus dem 18. Jh. stammt.

 

Weinjerwen - Väinjärve (Estland)

Das Dorf Weinjerwen liegt ca. 45 km. westlich vom Peipussee in der Nähe von Koero (dt.: Skt. Marien-Magdalenen) und wird bereits um 1558 erwähnt. Das Gut entstand um 1633. Von 1663 bis 1840 gehörte das Anwesen der Familie von Rosen. Erster Besitzer war Bogislaus von Rosen. Danach ging es bis 1853 an die Familie Baranoff, der auch Penningby (estn.: Peningi) und Waddemois (estn.: Vaimoisa) gehörte, und 1884 an die Familie von Engelhardt. Letzter Besitzer bis zur Landreform war Baron Georg Moritz von Engelhardt. Nach der Enteignung diente das Herrenhaus seit 1920 als Schule. Das Herrenhaus mit seinem charakteristischen polygonalen Eckturm wurde um 1860 im Neo-renaissancestil mit neogotischen Elementen von Karl Christoph von Baranoff erbaut. Das Herrenhaus wurde durch einen terrassenförmigen Park zum Weinjerwer See hin ergänzt. Seit den 1990er befindet sich das leerstehende, ruinöse Gebäude in Privatbesitz. Über dem Portal ist noch heute das Wappen der Familie Baranoff zu erkennen.

 

Burgruine Weissenstein - Paide (Estland)

Der Bau der Turmburg Weissenstein, die auf halben Weg zwischen Tartu (dt.: Dorpat) und Tallinn (dt.: Reval) liegt, wurde 1265 durch den Ordensmeister Konrad von Mandern zum Schutz der wichtigen Handelsstraße nach Reval (estn.: Tallin) veranlasst. Zum Bau wurde der in der Gegend vorhandene weiße Kalkstein verwendet, der der Burg auch den Namen gab. Charakteristisch für die Burg war der massive, ca. 30 m hohe, achteckige Turm, der zunächst recht schwach befestigt für sich selbst stand. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Turm mit seinen sechs Etagen immer mehr durch zusätzliche Mauern befestigt und im 14. Jh. durch zusätzliche Gebäude ergänzt. Die Ordensburganlage selbst wurde erst im 16. Jh. fertiggestellt aber bereits im Livländischen Krieg stark beschädigt. Der Turm jedoch blieb als Wahrzeichen erhalten, wurde jedoch im II. Weltkrieg von russischen Soldaten zerstört. Heute ist der 1993 restaurierte Turm wieder für Besucher geöffnet und beherbergt ein Museum und eine Kunstausstellung.

 

Wellenhof - Költsu, Koltsu (Estland)

Das Gut Költsu (dt.: Wellenhof) befindet sich direkt an der Nordküste von Estland ca.  10 km nordwestlich von Keila (dt.: Kegel). Es wurde 1806 von Pöllküll (estn.: Pöllküla) abgeteilt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. gehörte es dem Freiherrn Otto von Uexküll. Danach war seine Witwe Benedicte die Eigentümerin, die auch die Villa errichten ließ und sie als Sommerresidenz nutzte. Ab 1912 war das Anwesen im Besitz von Walter von Mohrenschildt. Nach dem II. Weltkrieg diente die Villa als Pionierlager. Heute ist das prachtvoll sanierte Anwesen in Privatbesitz und wird als edles Restaurant genutzt. Die Villa aus Holz enthält Stilelemente aus der Russischen Architektur.

 

Burgruine Wesenberg - Rakvere (Estland)

Die Burgruine Rakvere (dt.: Wesenberg) befindet sich hoch über der gleichnamigen Stadt an der Fernverkehrsstraße von Tallin (dt.: Reval) nach Narva (dt.: Narwa) etwa auf der halben Strecke. Am Ort der Burg befand sich bereits eine frühe estnische Befestigungsanlage unter dem Namen Tarvanpe / Tarvanpää (dt.: „Ochsenschädel“ – Form des Höhenzuges auf dem die Burg steht). Das unter dänischer Herrschaft erbaute Kastell aus Stein wird zuerst 1267 erwähnt und wird in russischen Chroniken Rakovor genannt. Kurz nachdem der Deutsche Orden 1346 Nordestland von den Dänen abgekauft hatte, veranlasste der Ordensmeister Goswin von Herike die weitere Befestigung des Nordens und begann u.a. mit dem Ausbau der ehemaligen dänischen Festungen Narva, Reval (estn.: Tallinn) und auch Wesenberg. Anfang des 16. Jh. wurde der gewaltige Rundturm hinzugefügt. Im Livländischen Krieg 1558 bis 1581wurde die Burg durch die Russen erobert und mit einer weiteren Mauer umgeben. Im 16. Und 17. Jh. wurde die Burg schwer beschädigt und nicht mehr genutzt. Nach den Nordischen Kriegen (1700 bis 1721) nutzten die Einwohner von Rakvere die Burg als Steinbruch. Heute ist die Burg ein beliebtes Ausflugsziel und das imposante Wahrzeichen der Stadt Rakvere.